• @Nika

Artischocken - und nun?

Aktualisiert: März 24


Das mit der Deko hat schon mal geklappt, aber ich kann mir nicht vorstellen, an den Blättern zu lutschen.

Bereits vor etlichen Jahren hatte meine damalige Mitbewohnerin Artischocken gekocht und mir dann berichtet, dass sie die Blätter "gezuzelt" hätte. Bis heute konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, was sie damit meinte. Eine Kollegin erzählte dann dieser Tage ebenfalls vom Artischocken-Zuzeln mit Senfsauce, und ich wurde endgültig neugierig. Artischocken, die auf arabisch "artishuk" heißen, kosten bei meinem Gemüsemann in Downtown pro Stück 4 ägyptische Pfund, das sind 20 - 25 Eurocent. Importiert können die nicht sein. Und tatsächlich werden Artischocken auch in Ägypten angebaut. Es findet sich nur wenig darüber, aber das Stichwort Damietta fällt, so dass auch die Artischocken wahrscheinlich im fruchtbaren Nildelta zuhause sind. Artischocken sind kultivierte Disteln, und genauso hübsch blühen sie auch. Ich erkundige mich weiter, wie das denn mit den Artischocken so geht und muss schmunzeln, als mir ein ehemaliger Kollege sinngemäß erzählt: "Erst stelle ich sie zur Deko in eine Vase, dann lutsche ich die Blätter mit Pfeffer und Salz, und dann esse ich den unteren Rest." Ok, das klingt merkwürdig und ähnlich wie das, was alle anderen auch erzählen, nur das mit der Deko war mir neu. Allerdings war das dann auch der unspektakulärste Part zum Thema Artischocken.


Im Internet lese ich von Rezepten mit Kapern und Weisswein, aber für Kapern müsste ich bis nach Zamalek oder Dokki fahren, Wein ist mir zu schade. Ich überlege mir eine Würzmayonnaise als Dip mit "gebna beda", dem cremigen Feta-Käse, Kardamom und Knoblauch und für die Artischockenherzen ein Dressing mit Granatapfelsirup und Zimt. Beides hat mich total begeistert! Die restliche Mayonnaise kann mit Joghurt verlängert zu Pellkartoffeln gegessen werden, das Dressing ist super für jeden Salat.


Die Blätter der Artischocken sollen um etwa ein Drittel gekürzt werden. Ich benutze dazu meine Küchenschere und bin glücklich, dass es besser klappt, als mein Eigenversuch mit einer Haarschneidemaschine. Man kann ganz gut erkennen, wo die Blattspitze aufhört. Angeblich kann man den Stengel mitkochen. Ich finde, er sieht nicht so lecker aus und schneide ihn so ab, dass ungefähr ein halber Zentimeter an der Artischocke bleibt. Den Rest vom Stiel werfe ich weg. Frische gestutzt kommen die Artischocken in einen großen Topf mit Salzwasser. In sprudelndem Wasser koche ich das Gemüse eine gute halbe Stunde. Ich piekse mit einer Gabel in den Stielansatz, und wenn dieser weich ist, dann ist das Gemüse gar. Jetzt kommt der spannende Teil und endlich löst sich das Rätsel. Ich gieße das Wasser ab, was wahrscheinlich ein Fehler ist. Artischocken sind gesund und sollen gegen Bluthochdruck, Hepatitis-C und hohen Cholesterinspiegel helfen. Wahrscheinlich kann man aus dem Artischockensud eine gesunde Brühe oder etwas Heilendes herstellen, aber dazu habe ich keine Lust.


Ich zupfe vorsichtig von außen nach innen die Blätter ab und stelle fest, dass an jedem Blatt ein bisschen Artischockenfleisch mit hängen bleibt. Und dieses Stückchen Fleisch wird mit dem Blatt in den Dip gegeben und dann vom Blatt "gezuzelt". Die inneren Blätter sind dann zunehmend zarter, so, dass fast das halbe Blatt mit gegessen werden kann. Also das ist definitiv Slow-Food und eine wunderbare Vorspeise für ein geselliges Dinner mit Freunden. Das Artischockenherz, das, was im Inneren der Blätter übrig bleibt, kann als Salat mit Dressing gegessen werden. Ich bin beeindruckt und frage mich, wer wohl als Erstes auf diese Idee gekommen ist.

Zutaten für die Gewürzmayonnaise als Dip

Frischer Knoblauch für die Gewürzmayonaise

50 ml Öl, z.B. Sesam- oder Rapsöl

1 Ei

1 kleiner Becher Naturjoghurt

1-2 EL Gebna Beda (cremiger Fetakäse)

1 kleine Knoblauchzehe

3 Kapseln Kardamom

2 TL Senf

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Salz

Pfeffer

Koriander

zum Abschmecken



Zutaten für das Granatapfel-Zimt-Dressing

Gestutzte Artischocken warten im Topf
Gestutzte Artischocken warten im Topf

2 EL Olivenöl

2 EL Granatapfelsirup

8 EL Wasser

1 kleine oder 1/2 rote Zwiebel

1 kleine Scheibe Ingwer

eine Prise bis max. 1/2 TL Zimt

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Salz

Pfeffer

zum Abschmecken




Für die Gewürzmayonnaise das Öl, das Ei und den Joghurt glatt rühren. Die Kardamom-Kapseln öffnen und die Samen in die Mayonnaise geben, die Knoblauchzehe schälen und durch die Knoblauchpresse drücken. Vorsichtig den Fetakäse unterheben und alles cremig rühren. Wenn der Käse direkt aus dem Kühlschrank kommt und fester ist, kann das ein wenig dauern. Nicht aufgeben und rühren, bis keine Klümpchen mehr übrig sind. Den Senf hinzufügen und mit Pfeffer, Salz und Koriander abschmecken und nochmals kräftig durchrühren. Der Dip sollte eine cremige Konsistenz haben und nicht flüssig sein.


Olivenöl, Granatapfelsirup und Wasser für das Dressing schaumig schlagen. Die Zwiebel sehr fein würfeln und dazu geben. Den Ingwer habe ich geschält und auch durch die Knoblauchpresse gequetscht. Mit Zimt, Salz und Pfeffer abschmecken.

Guten Appetit.