• @Nika

Forever Is Now - erstmalig bieten die Pyramiden eine Kulisse für moderne Kunst dieser Art

Aktualisiert: 6. Nov. 2021

Seit ihrer Erbauung vor 4.500 Jahren bieten die Pyramiden in Giza erstmalig die Kulisse für moderne Kunst dieser Art und laden zum Dialog ein

Am Donnerstag, den 21. Oktober 2021, eröffnete Art D’Egypt die Ausstellung „Forever Is Now“ auf dem Plateau der Giza-Pyramiden vor den Toren Kairos.

Aus der Innenstadt von Kairo, Downtown vom Tahrir-Platz, sind es nur gut 30 Minuten mit dem Auto über die zum Teil neu ausgebaute Ring-Road bis nach Giza. Rund um die historischen Stätten wurde nicht nur das „Grand Egyptian Museum“ neu errichtet, sondern auch die Zufahrtswege. Noch schlängelt man sich an Baustellen vorbei an dem neuen Museum, das zwar imposant vor den Pyramiden ruht, aber in seinem Vorgarten immer noch Baufahrzeuge beherbergt und auf seine Eröffnung wartet. Noch sind auch einige U-Turns notwendig, um letztendlich am alteingesessenen Hotel Mena-Haus vorbei zum Eingang der Pyramiden zu gelangen.

Um „Forever Is Now“ zu erreichen, fährt man auf dem Pyramidengelände an allen drei Pyramiden vorbei hinauf auf das Giza-Plateau. Während sich in Richtung Osten eine gewaltige historische Kulisse mit Blick auf alle Pyramiden auftut, rückt die Stadt vor allem im Westen erschreckend nah an das Plateau heran. Von der bisherigen Weite über das Land ist nur wenig geblieben.

Diesen Ort hat sich Art D’Egypt ausgesucht, um unter der Schirmherrschaft des Ägyptischen Ministeriums für Antiquitäten und Tourismus, des Ägyptischen Außenministeriums sowie der UNESCO erstmalig seit Erbauung der Pyramiden vor 4.500 Jahren eine internationale Ausstellung für moderne Kunst verschiedener Künstler zu realisieren. Es ist die vierte Ausstellung der in 2016 von Nadine Abdel Ghaffaris ins Leben gerufene Art D’Egypt. Nadine Abdel Ghaffaris betonte bei der Eröffnung, dass die Pyramiden seit je her eine Inspiration für Künstler aus aller Welt waren und sie sehr dankbar sei, dass Art D’Egypt die einmalige Gelegenheit erhalten habe, eine Ausstellung vor dieser gewaltigen Kulisse zu realisieren. Ihr Team besteht aus sieben jungen ägyptischen Frauen. Art D’Egypt ist auch die Organisatorin der bis zum 27. Oktober 2021 laufenden Ausstellung CIAD, moderne Kunst in Downtown Kairo.


Kurator Simon Watson aus New York wurde vor 18 Monaten von Nadine Abdel Ghaffaris angesprochen und eingeladen, das einmalige Kunstprojekt mit zu realisieren. Er gratulierte nicht nur Art D’Egypt zur der nicht immer ganz einfachen Umsetzung, sondern bedankte sich auch für die großartige und einmalige Gelegenheit, bei diesem Projekt dabei sein zu dürfen. Er war beeindruckt von der Vielzahl der Gäste zur Eröffnung und sieht die Ausstellung als Dialog zwischen der Vergangenheit und dem Heute.

Die Ausstellung umfasst zehn Objekte von internationalen Künstlern (siehe Diashow):

  • Alexander Ponomarev (Russland) | Ouroboros

  • Gisela Colón (USA) | Eternity Now

  • João Trevisan (Brasilien) | Body that Rises

  • JR (Frankreich) | Greetings from Giza

  • Lorenzo Quinn (Italien) | Together

  • Moataz Nasr (Ägypten) | Barzakh

  • Sherin Guirguis (Ägypten/USA) | Here Have I Returned

  • Shuster + Moseley (England) | (Plan of the Path of Light) In the House of Hidden Places

  • Stephen Cox RA (England) | Interior Space: Khafre

  • HRH Prince Sultan Bin Fahad (Saudi Arabien) | RIII

Im Gespräch mit einigen vor Ort anwenden Künstlern wird schnell deutlich, dass die Pyramiden nicht als Kulisse dienen, sondern jeweils im Dialog mit allen Kunstwerken stehen. Immer wieder wird auf die Menschen verwiesen, die vor 'zig tausend Jahren die Pyramiden errichtet haben. „Forever Is Now“ sei eine Möglichkeit, die Zeit für eine Weile anzuhalten.


Stephen Cox RA kennt Ägypten schon seit vielen Jahren. Seine Skulptur besteht aus Granit, und er ließ sich von den Gräbern der Apis-Bullen aus Saqqara inspirieren. Lachen musste er, als er erzählte, dass das Toilettenhäuschen in der Nähe seiner Skulptur aufgebaut wurde und seinem Kunstwerk zumindest von der Form her ähnelt.

Together - Lorenzo Quinn

Lorenzo Quinn ist zur Ausstellung das erste Mal in Ägypten. Er habe sein Kunstwerk mit viel Respekt für die Pyramiden und ihre Erbauer geschaffen. Heute, nach zwei schweren Jahren mit der Corona-Pandemie, träfen sich an diesem Ort die Menschen erneut, initiiert durch die Kunst und dadurch in einer sehr respektvollen Weise. Normalerweise verwende er für seine Kunstwerke Bronze, für die sich berührenden Hände, eine weiblich, eine männlich, habe er jedoch Drahtgeflecht benutzt. Die Produktion hat neun Monate gedauert und ein Team von 25 Leuten verknüpfte über 36.000 Verbindungspunkte zu dieser Skulptur. Die Skulptur sei, wie alle anderen Kunstwerke auch, bis zum 7. November (update 6.11.2021: verlängert bis 17.11.2021) in der Ausstellung zu sehen, danach verbliebe sie in unserer Erinnerung. Vielleicht aber findet sie nach der Ausstellung irgendwo einen neuen Platz.

Lorenzo Quinn im Gespräch vor seiner Skulptur

Um die Ausstellung zu sehen, muss man sich auf einen gut 5 km langen, quasi schattenlosen Weg machen. Ausgebaute Straßen auf dem Plateau ermöglichen eine Rundfahrt mit dem Auto, bei der man auch ohne auszusteigen an den Skulpturen entlang fahren kann. Alternativ wählt man die Fahrt mit einer Kutsche oder einen Ritt auf einem der prächtig geschmückten Kamele. Der Weg führt über das gesamte Plateau, lässt die 9- Pyramids-Lounge rechter Hand liegen, und während man bereits auf dem Rückweg vorbei an der Sphinx zum Ausgang ist, begegnet man noch der Skulptur von JR und der leuchtenden Sonne von Gisela Colón.

Ein Aussteigen pro Exponat aber lohnt sich. Trittplatten führen die Besucher jeweils auf eine Holzplattform, die eine ideale Position für den Dialog zwischen den Pyramiden und dem Kunstwerk ermöglicht. Weitere Informationen gibt es pro Kunstwerk ganz modern per QR-Code über eine Informationstafel.

Ouroboros - Alexander Ponomarev

Noch bis zum 17. November 2021 ist die Ausstellung „Forever Is Now“ an den Pyramiden zu sehen. Der Eintritt zu den Pyramiden kostet für Nicht-ÄgypterInnen 160 EGP, knapp 9 Euro. Die Ausstellung selbst ist dann frei.


Fotos: (c) Kathrin Schwarz | Diashow: (c) mo4network

update: 06.11.2021