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Neues Mövenpick Einbay - leider nur "Wunst".

Aktualisiert: Juli 4

Im Frühjahr 2018 hat der Accor Hotelkonzern die Mövenpick Hotels für 560 Millionen Euro übernommen und somit 84 Hotels mit über 20.000 Zimmern in 27 Ländern hinzu gewonnen, schreibt die NZZ am 02. Mai 2018. Ziel der Übernahme sei unter anderem, die Wachstumsmärkte im Mittleren Osten und Afrika auszubauen.

Eines dieser Projekte scheint das Mövenpick Resort Einbay am Roten Meer zu sein. Seit Frühjahr 2019 sind vierzig Zimmer im Hauptgebäude als Soft Opening für die ersten Gäste verfügbar. Die Mövenpick Internetseite verspricht neben der ganzjährigen ägyptischen Sonne einen 18-Loch Golfplatz sowie vier geheizte Alljahrespools, und beschreibt die Schönheit der Strände am Roten Meer in Ain Sokhna, ein beliebtes Ziel für die Städter aus Kairo.

Dass der hoteleigene Strand nur sehr klein, ohne Toiletten und Wassersport, dafür aber drei unkomfortable Kilometer entfernt ist, wird verschwiegen. Die erst nach dreißig fußläufigen Minuten erreichbare Marina ist nur für die Gäste der Villen im Resort. Schade, denn hier gibt es einen Kiosk, einen langen Strand mit Bänken, Wassersport mit Booten und einen weit ins Meer reichende Badesteg aufgrund des bei Ebbe niedrigen Wasserstandes. Der auf booking.com versprochene Indoor Pool im Hotel fehlt. Die Liegen am Außenpool sind leer. Wie fast alle Bars und Einrichtungen in diesem Hotel. Der Fitness Raum ist voll gestellt mit Geräten, allerdings schaut man beim Training gegen eine Wand. Wieder schade, denn der Ausblick auf das Grün des Golfplatzes ist erfrischend. Ebenso der Blick von der Sonnenterrasse der Rooftop Lounge über das Ressort bis hin zum Meer. Trotz Sonne und Grün fehlt es jedoch dem Hotel an jeglichem 5-Sterne Flair.

Wenngleich das Hotel recht neu ist, wirken die modernen Möbel im Zimmer angeranzt. Auf jedem Metall gibt es Fingertapser, Flecken im Teppich, Risse in den Wänden. Das Bad vermisst Toilettenpapier, Bademantel, Badvorleger, stattdessen durchlaufendes Wasser in der Toilette, das einen braunen Rinnsal hinterlässt. Die Zimmer sind hellhörig, das Geschrei der benachbarten Kinder ist über den ganzen Flur zu hören. Ebenso das 24-Stunden Gedudel des Essensraums und der Lounge. Die mangelnde Sauberkeit zieht sich durch das gesamte Hotel. Staubflocken auf dem Hotelgang, Flecken auf der beigefarbenen Treppe zum Spa, ein über und über mit Flecken übersäter Boden im Essraum, Glas- und Tellerränder auf den Tischen, vertrocknete Weihnachtssterne als Dekoration. Das als "mouthwatering" angepriesene Buffet entspricht nicht mehr als Standard eines jeden Hotels und ist beispielsweise im Vergleich zum Jaz, Stella oder Baron mickrig. Getränke nur mit "extra charge", die Omelette Station zum Frühstück gar nicht besetzt. Die Essenszeiten (Frühstück von 8.30h - 11.00h und Abendessen von 19.00h bis 22.30h) sind suboptimal. Alternativ stehen nur Bar oder Lounge zur Verfügung, die Preise in der Lounge sind doppelt so hoch wie in einer Lounge in Kairo und völlig unangemessen. Über 400 LE für ein Hauptgericht, ein Ceasar Salad für 150 LE und Pizza für 150 LE. Da entschädigt auch nicht der schöne Blick. Das gesamte Flair im Hotel ist kalt und wenig einladend und weit entfernt von den opulent zu Weihnachten geschmückten 5-Sterne Hotels in Kairo wie beispielsweise das Semiramis oder Kempinski am Nil.

Die Idee, hier Weihnachtstage zu verbringen in einem Luxushotel mit Wellness und Strandspaziergängen wurde bitter enttäuscht. Selbst, wenn man die Region als Wachstumsregion bezeichnet, so können es andere in dieser Region besser. Hier ist zum wachsen noch viel Luft nach oben und das Hotel von fünf Sternen meilenweit entfernt.

Wie sagte Mutter immer? Kunst kommt von können, nicht von wollen, sonst hieße es nämlich "Wunst".

© 2020 Monika Bremer