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Hottentotten und Liebesmond

Bedingt durch eine Unwucht "spricht" der Ventilator, das Vokabular ist abhängig von der Geschwindigkeitsstufe und des Dämmerzustands beim Einschlafen oder Aufwachen. "Hottentotten" sagt er, "Hottentotten, Hottentotten, Hottentotten". Als ich wach bin, wundere ich mich. "Hier geht es zu wie bei den Hottentotten" fällt mir ein und auch, dass es hier aussehen könnte "wie bei den Hottentotten". Eine spärliche aber doch bekannte Redewendung aus Kindertagen. Ich frage mich, woher meine Mutter weiß, wie es bei den Hottentotten zugeht, und wie es dort aussieht. Als Hottentotten werden in Süd- und Westafrika die Menschen des Khoikhoi-Volkes benannt. Laut Wikipedia stammt diese Bezeichnung aus der Zeit der Buren in Südafrika, aus der Zeit der Kolonialisierung. Die Bezeichnung Hottentotten ist diskriminierend gemeint und soll entstanden sein, weil die Sprache der Khoikhoi Knacklaute enthält, die als Stottern aufgefasst wurden. Und das Wort Hottentotten soll von dem niederländischen Wort "hottentot" kommen, was soviel wie "stottern" bedeuten soll. Auf niederländisch aber heißt "stottern" laut Google-Übersetzung "stotteren" und auf Africaans "stutter". Dennoch hat sich "Hottentotte" als diskriminierende Bezeichnung der Khoikhoi in Süd- und West-Afrika und als Redewendung durchgesetzt. "Hier sieht es aus wie bei den Hottentotten" beschreibt somit einen Zustand der Unzufriedenheit und impliziert die Aufforderung, diesen zu ändern. Bis zum nächsten Vollmond gerieten die Hottentotten erstmal wieder in Vergessenheit. Als wir jedoch begeistert dem aufgehenden Vollmond am Strand zusahen, meinte Tauchlehrer Mahmoud strahlend "Laila-Majnoun-Ammar" und nickt mir zu. Ich verstand "Ammar" als Übersetzung von "Mond", aber nicht, was Laila damit zu tun hätte. Wieder einmal sprachliche Grenzen erreicht. Diesmal aber lag es nicht am Vokabular, sondern am kulturellen Hintergrundwissen. Vor einiger Zeit sprach ich mit einer ägyptischen Kollegin über das Lernen von Fremdsprachen. Mir kommt gelegentlich in den Sinn, wie merkwürdig die deutsche Sprache für die ägyptischen Kinder sein muss. Wie bitte erklärt man das Wort "Käsemauke" einem ägyptischen Schüler? Ok, man kann es als "Stinkefuß" übersetzen, aber merkwürdig muss es dennoch klingen. Andersherum aber geht es genauso. Redewendungen wörtlich übersetzt ergeben meistens Quatsch, aber dazu muss man erst einmal verstehen, dass es sich um eine Redewendung handelt. "Du kommst von hinter der Kuh". Das ist die wörtliche Übersetzung der ersten ägyptischen Redewendung, die ich lernte: "Enta gay min warra al gamouza". Natürlich meint man damit "Du bist ein Bauerntrampel" und nicht die Berufsbezeichnung des Landwirtes. Ägypter hören das nicht gerne, weil es auch als Schimpfwort für Bauer benutzt wird. Redewendungen und Sprichwörter verwenden gerne die Bildsprache, um eine Nachricht zu transportieren und dadurch deutlicher zu machen. Hier einige Beispiele aus dem Arabischen: يد واحدة ماتسقفش. (iid waHda matsa''afš.) wörtlich: Eine Hand kann nicht klatschen. Bedeutung: Man schafft eine Sache nur gemeinsam. على قد لحافك مد رجليك
.(3ala 'add liHaafak midd regleik.) wörtlich: Strecke Deine Füße soweit Deine Bettdecke reicht.
Gemeint: Lebe nicht über Deine Verhältnisse. يا واخد القرد على ماله يروح المال ويقعد القرد على حاله
. (ya waaxod il-'ird 3ala maalu yiruuH il-maal yi'3od il-'ird 3ala Haalu) . wörtlich: Wenn Du einen Affen wegen des Geldes heiratest, verschwindet das Geld, aber der Affe wird bleiben. Was damit gemeint ist, muss man, glaube ich, nicht deutlicher beschreiben. Merken kann ich mir das alles schlecht, denn Arabisch ist eine schwere Sprache und hat wenig Bezug zum Deutschen. Ein kurzes Sprichwort aber kenne ich dennoch: Il-Haraka Baraka, Bewegung ist ein Segen, ähnlich zu der deutschen Redewendung "sich regen bringt Segen" und das Gegenteil von "Sport ist Mord". Manches ist ähnlich, vieles fremd. Der Laila-Majnoun-Mond aber hat mit Vokabeln nichts zu tun, sondern mit der dahinter stehenden arabischen Bedouinen-Liebeslegende von Laila und ihrem Geliebten Qays, entstanden im 7. Jahrhundert in Saudi-Arabien. Laila Majnoun würde auf Ägyptisch Laila Ma-g-noun ausgesprochen und heißt frei übersetzt "Verrückt nach Laila". Qays war ein Poet, der unsterblich in Laila verliebt war, sie aber nicht heiraten durfte und daher sein Leben lang in der Wüste wandelte und Gedichte für Laila schrieb. "Laila wa Majnun" wird auch als "Romeo und Julia"- Geschichte des Ostens bezeichnet. Laila starb und Qays wurde verrückt. Man fand ihn tot im Jahr 688 in der Nähe von Lailas Grab, auf einem Stein waren seine letzten drei Gedichte eingeritzt. So die Legende, die von mehreren Schriftstellern als Grundlage verwendet wurde. Das bekannteste Werk ist "Khamza" des persischen Dichters Nizame Ende des 12. Jahrhunderts. Rudolf Gelpke, ein Schweizer Islamwissenschaftler, war der Erste, der die Geschichte im Jahr 1963 ins Deutsche übersetzte.

Beirut auf dem Weg in die Hoffnungslosigkeit?

"Körperlich geht es mir gut", ist die spontane Antwort von L., einer 25-jährigen Gitarristin und Musiklehrerin aus Beirut. Sie lebe in den Bergen und wäre daher sicher. Am Dienstag, den 4. August 2020 hatten zwei Explosionen das Hafengebiet von Beirut erschüttert, insbesondere die zweite Explosion löste eine heftige Druckwelle aus, so Reuters. Weiteren Medienberichten zufolge verstarben 100 Menschen und bis zu 4.000 Menschen seien verletzt. Die Welt zeigt Anteilnahme und Nachbarländer wie beispielsweise auch Ägypten senden Hilfslieferungen. Unter anderem wurden zwei Krankenhäuser und ein Getreidespeicher zerstört. Reuters berichtet heute, dass die Getreidevorräte für den Libanon für weniger als einen Monat ausreichten. Es sei aber genug Mehl vorhanden, so dass die Versorgung nicht gefährdet sei, heißt es in offiziellen Verlautbarungen aus Beirut. Die jungen Libanes*innen aber sind besorgt, und immer wieder wird von Hoffnungslosigkeit gesprochen. Sprachlos sei sie, erzählt L. weiter. Und es täte ihr für alle Familien der Verstorbenen leid. Aber so richtig begreifen können sie es nicht. Und sie wisse nicht so genau, wie sie helfen könne. Wenn sie nichts täte, fühle sie sich aber außen vor, und sie wolle gerne etwas tun. Daher versucht sie, ihre Freunde zu mobilisieren und sie möchten mit Verpflegung und mit Unterkunft helfen. Ihre Mutter ließe sie aber nicht aus dem Haus, denn sie hätte den Krieg und viele Krisen miterlebt und wäre besorgt. Der Libanon ist wirtschaftlich und politisch in einer schwierigen Situation. Dabei wurde er bislang immer als Schweiz des Mittleren Ostens bezeichnet. Mit Bergen und Meer, einer für den Mittleren Osten liberalen Kulturszene, mit Bars und Kneipen, einer High Society und schicken Designerläden. Aber auch mit Bürgerkrieg in den 70er- und 80er-Jahren, mit einem 36-Tage-Krieg in 2006, mit der Flüchtlingskrise seit 2011 mit einer Million Flüchtlingen auf vier Millionen Landeseinwohner, politischen Widerständen erneut Anfang 2020, bis im Frühjahr Corona kam. Möglich, dass es offiziell keinen Versorgungsengpass gibt, aber die Libanes*innen berichten von wöchentlich steigenden Preisen, leeren Supermarktregalen und Verdienstausfall seit Corona. Die Coronamaßnahmen, die im Frühsommer gelockert wurden, wurden gerade Anfang August aufgrund der muslimischen Eid-Al-Adha-Feiertage wieder verstärkt. Das Vertrauen in die Regierung ist gering und so bleibt die Frage, vor allem unter den jungen Libanes*innen, wie es jetzt weiter gehen soll. "Woher soll das Geld kommen, um Beirut wieder aufzubauen und das Land wirtschaftlich zu stabilisieren?" ist die alles entscheidende Frage, auf die viele keine Antworten haben. Diejenigen, die den Krieg in 2006 als Jugendliche erlebt haben, fühlen sich vom gestrigen Unglück besonders berührt. So berichtet der Gitarrist B., 40 Jahre alt, dass sie gemeinsam noch immer vor Ort im betroffenen Stadtteil Gemayzeh nach Verschütteten suchen. Hier würden besonders ältere Leute und Singles leben, und etliche wären noch vermisst. Auch Sänger Ch. berichtet, dass man sehnsüchtig auf ein Lebenszeichen von denjenigen warte, von denen man seit gestern nichts gehört habe. Dass Krieg und Missmanagement bei den jungen Leuten Spuren hinterlassen, war bereits zu einem Musikevent im Jahr 2015 spürbar. Der Krieg war immer noch in den Köpfen. Die Musiker erzählten beispielsweise von Bandproben, die durch Bombenangriffe unterbrochen wurden. Kriegsschauplatz aus dem Nachbarland erlebte eine junge Journalistin aus dem Norden Libanons, die zusehen musste, wie, so sagte sie, nachts den Syrern die Häuser unter dem Hintern weggebombt wurden und die mit nichts als außer ihrem Schlafanzug und ihrem Leben aus den Gebäuden flüchteten. Musiker verarbeiten solche Erlebnisse unter anderem in ihren Songs. So postete die Band Phenomy gestern auf Facebook: "Dozens of people have been killed and thousands wounded in a powerful explosion that ripped through Lebanon's capital, Beirut. Our music has always expressed our anger and grief towards injustice. With everything happening around in the world and especially in Lebanon, what happened today was a catastrophe. Enough idiocy, incompetence and mischief. We ask our Lebanese brothers and sisters from all religions and regions to stay unified so we can overcome this outrageous situation." Von Inkompetenz sprechen sie deshalb, weil die Ursache des gestrigen Unglücks bislang noch ungeklärt ist und sie Versäumnisse bei der Regierung sehen. Es gäbe keinen Zusammenhang mit dem Attentat auf Rafiq al-Hariri am 14. Februar 2005 in gleicher Umgebung, so die offizielle Aussage aus Beirut. Explosive Stoffe seien ungesichert gelagert worden, und man würde die Ursachen aufklären. Einen politischen Hintergrund gäbe es nicht. Mit seiner Meinung, das gestrige Unglück könne ein Attentat sein, scheint Präsident Trump aber alleine dazustehen. Die Zeitung Welt berichtet heute: "Die Bundesregierung teilt nicht die Einschätzung Trumps, wonach die Explosionen in Beirut auf eine Bombe zurückzuführen seien. Es scheine sich „um ein schreckliches Unglück zu handeln“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin. Die Bundesregierung habe dazu aber „keine eigenen Kenntnisse“ und wolle sich „nicht an Spekulationen beteiligen“. ... Auch der libanesische Regierungschef Hassan Diab sagte, 2750 Tonnen Ammoniumnitrat seien der Grund für die Detonation. Das Material, das auch zur Herstellung von Sprengstoff verwendet werden kann, sei seit sechs Jahren ohne Vorsichtsmaßnahmen im Hafen von Beirut gelagert worden." Die Hoffnung für Beirut liegt jetzt unter anderem auf den Devisen der gut ausgebildeten, im Ausland lebenden Libanesen. Gemäß Bundesministerium für Zusammenarbeit fehlen diese Kräfte zwar im Land vor Ort. Möglicherweise wird es Beirut und der Libanon jetzt aber nur mit Hilfe aus dem Ausland schaffen. Die jungen Musiker*innen sind heute noch sprachlos und fassungslos und werden ihre Gefühle und Gedanken in neuen Songs verarbeiten. Und wie immer wird wie seit Jahren hoffentlich auch ein bisschen Mut und Zuversicht mitschwingen.

Boot- und Bargespräche

Es ist früh, kurz vor halb acht, und es riecht nach Gummi und Salzwasser. Ich bin müde und sitze an der Tauchbasis und warte auf den Tag. Schnorcheln in Gabr-al-Bint als Bootsausflug, südlich von "The Caves" ohne Autozufahrt. Tauchen ist erst ab nächster Woche geplant, denn derzeit sind Eid-Ferien und alles ist voll, auch mit Leuten, die nicht so sehr dem Dahab-Spirit entsprechen. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, aber ich freue mich auf den Tag auf und im Wasser. Es gibt für mich kaum etwas Faszinierendereres als die Wüste, die quasi direkt ins Meer fällt. Ken kommt, gesellt sich zu mir, stellt sich vor. Später erfahre ich, dass er Journalist und Autor ist, in Berlin gelebt hat und jetzt seit vier Jahren in Dahab lebt. Eigentlich ist er Schotte, und während alle eine Art amerikanisches Umgangsenglisch sprechen, spricht Ken schottisch. "So do I" anstatt eines "ich auch" ist schon sehr cool. Es war sehr motivierend und inspirierend zu sehen, dass es noch mehr Menschen gibt, die über ein alternatives Lebenskonzept nicht nur nachdenken, sondern es auch umsetzen. Die mitfahrenden Lehrer aus unserem Tauchbasisteam haben ähnliche Erfahrungen wie wir alle mit Schülern und Eltern gemacht, das unterscheidet sich auch an einem britischen oder amerikanischen Schulsystem nicht. Die meisten übersommern in Dahab, auch damit bin ich nicht alleine. Die Pick-ups laden das Tauchequipment und uns ein, und wir fahren zum Hafen in Laguna. Wir sind noch alle etwas verhalten miteinander, aber das wird sich im Laufe des Vormittages schnell ändern. Am Hafen sind wir dann auch sehr schnell wieder in Ägypten. In Dahab ist das Leben auf Pause, wie es ein Musikerfreund vor einigen Tagen bemerkte. Am Hafen aber werden unsere Taschen und auf dem Boot unsere Ausweise überprüft. Das Tauchboot ist nicht, wie ich es angenommen hatte, nur für unser Team von der Tauchbasis, sondern es fahren noch mehr Ausflügler zum Schnorcheln mit. Einige Gäste, traditionell gekleidet, also die Frauen, waren schon an Bord. Unser Team findet sich auf dem sogenannten Trockendeck ein und beobachtet neu eintreffende Mitreisende. Wir schauen uns mehr oder weniger entsetzt an. Eine Gruppe Jugendlicher wartet vor dem Boot. In einem Alter, in dem Kopf, Körper und Gliedmaßen noch nicht wieder so recht zusammen passen und das Gehabe sehr cool sein soll, aufgrund der pubertierenden Wachstumsphase aber sehr lächerlich aussieht. Verkleidet sind sie als Gangsta. Die Art von Jugendlichen, die sich in Kairo einen Spaß daraus machen, Frauen zu belästigen und das lustig finden. Wir schauen uns an, vor allem wir drei Frauen ob unserer freizügigen Badebekleidung. Als es nach einer Stunde traumhafter Bootsfahrt darum geht, ins Wasser zu springen, braucht man uns nicht viel zu erklären. Alle notwendigen Handgriffe und Dinge, die auf einem Taucherboot zu beachten sind, waren wieder präsent. Das Briefing geht daher ruckzuck, unsere Taucher waren schon längst beim Tauchgang und wir springen von der Plattform in türkis-blaues Wasser. Das Briefing für die Jugendlichen und Ägypter dauert länger. Wir kommen von unserem Schnorchelgang schon wieder zurück, als die anderen sich erst für das Schnorcheln bereit machen, und was wir dann sehen, macht die Jugendlichen plötzlich sehr verletzlich und sympatisch. Zwei Drittel von ihnen, sowie fast alle weiblichen ägyptischen Gäste können nicht schwimmen und gehen mit Schwimmweste ins Wasser. Einige halten sich krampfhaft an den Rettungsringen fest und lassen sich vom Ehemann oder Guide an der Weste oder am Ring durch das Wasser schieben. Die ach so coolen Gangsta-Jugendlichen sind fast nackig nur mit Badehose und Schwimmweste bekleidet plötzlich gar nicht mehr so cool. Da hilft auch kein krampfhaftes Festhalten an der Badeleiter. Wir plantschen im Wasser und sehen dem Geschehen zu. Die Situation auf den Nachbarbooten ist ähnlich, zwei Drittel aller müssen mit Schwimmweste ins Wasser. Wir von der Tauchbasis finden das sehr mutig und ich erfahre, dass schwimmen lernen etwas mit Zugang zu einem Pool zu tun hat. Die weltweit in Statistiken kommunizierte Analphabetenrate von Ägypten liegt bei 39%. Wir können davon ausgehen, dass diese Menschen weder Zugang zum Pool oder sonstiger Schwimmgelegenheit haben und die Nichtschwimmerrate ähnlich hoch sein dürfte. Im Wasser haben wir dann alle gemeinsam Spaß und viel gelacht. Was man mit so Flossen und Rettungsringen für Quatsch machen kann. Die Situation der Jugendlichen ist dann maßgeblich die Ursache für tiefergehende Gespräche. Wie mir denn Ägypten gefällt, ob ich in meinem Buch etwas über Politik geschrieben hätte und dass man selbst auch Deutsch lerne und ähnliches waren erste Anknüpfungspunkte. Ganz vorsichtig kommen wir ins Gespräch, wenn man sich nicht kennt, ist Vorsicht geboten. Es sind die Ägypter, die zu meiner Überraschung ungewöhnliche Themen ansprechen. Es ist das erste Mal, dass ich höre, wie ein junger Ägypter von Tel-Aviv schwärmt, vor allem im Vergleich zu Kairo. Und ich erfahre, dass etliche Israelis nach Dahab zum Tauchen kommen. Abou Youssef kennt Israel auch seit vielen Jahren. Im Sinai sind das die nächsten Nachbarn. Von Dahab nach Taba sind es rund 140 km. Ein Thema, was niemand in Kairo ansprechen würde. Da ist Dahab dann doch der liberale Aussteigerort. Umso erstaunlicher die traditionell gekleideten Damen, die in voller Montur zum Schnorcheln gehen und dem Dahab-Spirit eigentlich nicht entsprechen. Hier teilt sich dann die Gesellschaft in jung, liberal und traditionell. Traditionell die im Sinai lebenden Beduinenfamilien, liberal die Sportler, Tauchlehrer, Künstler, Yogalehrer und Autoren. Näher als Israel ist Saudi-Arabien. Südlich von Dahab sind es über das Meer 14 Kilometer bis Saudi-Arabien. 7 davon gehören zu Ägypten, 7 zu Saudi-Arabien. Wir treffen uns abends zum Bier in der Blue-Beach-Bar in den nächsten Tagen immer mal wieder. Dort werden dann Schauergeschichten erzählt von Drogenhändlern, die von Ägypten aus nach Saudi-Arabien über das Meer gebracht wurden. Die Händler wurden in Saudi-Arabien gefasst und geköpft. Sagt man. Wahr scheint aber zu sein, dass ein Ägypter mit seinem Kite über die Eid-Feiertage bis nach Saudi-Arabien zu seiner Familie flog und nach den Feiertagen mit seinem Kite wieder wohlbehalten in Laguna landete, unter dem Jubel all seiner Freunde. Wir sprechen über Nachbarländer, Reisebestimmungen, Coronasituation, Drogendealer und über Religion. Etwas, was für Kairo undenkbar wäre. Und ich meine damit, wir reden darüber. Wie über das Wetter, als wäre es das Normalste der Welt. Wir schimpfen nicht, wir beschweren uns nicht, sondern wir unterhalten uns. Auch nicht nur über Ägypten, sondern auch über Europa und den Brexit. Bei uns in der Bar sitzen mit am Tisch Ägypter, Deutsche, Engländer und Italiener. Wie ich denn Frau Merkel finde, werde ich gefragt. Und ehrlicher Weise muss ich zugeben, dass ich keine Meinung zur Frau Merkel habe. Warum ist das Opferfest ein Grund zum Feiern? Als einer unserer Tauchlehrer fragt, wann denn das nächste Gebet sei, muss er selbst schmunzeln. "Ja, das ist ungewöhnlich" meint er. Warum er das denn wissen wolle, fragen wir zurück. Er hätte mit einem Beduinenfreund telefoniert und dieser käme ihn zu sehen, aber erst nach dem Gebet. So sind wir beim Thema Religion. Unter anderem sprechen wir über Eid-Al-Adha, dem Opferfest, das in diesen Tagen gefeiert wird. Ich frage, was denn gefeiert würde. Und man erzählt mir die Geschichte von Abraham. So, als wenn jemand erzählte, dass an Weihnachten Jesus geboren sei. Abraham soll laut Gottes Anweisung seinen Sohn opfern, im letzten Moment muss er es dann aber doch nicht und es wird ein Widder geschlachtet und geopfert. Und daher werden Lämmer, Ziegen und Schafe zu Eid-Al-Adha geschlachtet und gegessen. Warum aber ist das ein Grund zum Feiern? Die Geschichte kennen Christen und Muslime gleichermaßen. Allerdings gibt es einige Unterschiede. Die Bibelstelle ist in Buch 1. Mose 22, 2 zu finden. Theologisch begründet man den Wert dieser Geschichte durch bedingungslosen Gehorsam und Gottvertrauen welches Gott belohnt, indem er den Sohn verschont. Ich frage mich - und stelle fest, dass ich nicht die Einzige mit solchen Gedanken bin - warum Gott so ein Gehorsam überhaupt verlangt. Und dann noch bedingungslos. Er ist doch Gott und sollte doch wissen, ob wir glauben oder nicht. Und immer diese Drohungen und Strafen. Abraham war jedenfalls kein Engel. Er hatte, weil seine Frau Sarah zunächst keine Kinder bekommen konnte, ein uneheliches Kind mit Hagar, den Isamail. Toll. Gott hatte ihm mit Sarah ein Kind verheißen, aber da war wohl noch nichts mit viel Gottvertrauen, wenn er Sarah mit Hagar betrügt, um ein Kind zu haben. Ähnliche Fragen wie ich stellen auch Sabine Rückert und Johanna Haberer in der Podcast-Serie der ZEIT unter dem Titel "Unter Pfarrerstöchtern". Johanna Haberer ist Theologin, Sabine Rückert stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT. Theologisch erklärt Frau Haberer die Abrahamgeschichte ähnlich. Aber gesellschaftlich betrachten die beiden Frauen die Geschichte aus heutiger Perspektive. Und sie fragen, was sich der Sohn wohl dabei gedacht hat, als er drei Tage neben seinem Vater schweigend her läuft und auf den Berg geht und dabei selbst noch das Brennholz trägt. So, wie Jesus später sein eigenes Kreuz tragen musste? Abraham hat auch nichts gesagt. Der Sohn fragte noch, welches Tier denn geschlachtet werden solle und bekam nur etwas Ausflüchtiges zur Antwort. Was hat Sarah gedacht, als die Beiden einfach weg gingen? Aber wer weiß, was die noch alles mit Abraham erduldet hat, von dem wir nichts wissen. Und was bitteschön soll das Ganze? Was kann denn das Kind dafür, wenn Abraham für Gott nicht gehorsam genug ist? Und warum wehrt Abraham sich nicht? Warum ist er immer für Gott verfügbar und sagt sofort "Hier bin ich" als er angesprochen wird? Ist blinder Gehorsam wirklich das, was Gott will? Ich denke, er soll ein liebender Gott sein? Wenn erst gefordert wird, den eigenen Sohn zu töten und erst, wenn man dazu bereit ist, wird man zur Belohnung davon befreit? Das empfinde ich nicht als Belohnung, sondern als Erpressung. Was wäre denn, wenn Abraham gefragt hätte "warum"? Das haben die Pfarrerstöchter nicht diskutiert. Oder wenn er gesagt hätte "nein, mache ich nicht, das Kind hat nichts Böses getan"? Bereits im Kindesalter in der Grundschule hatte ich in meine Bibel geschrieben: Warum erpresst Gott die Menschen? Und sind es nicht doch Mensch-gemachte Geschichten, um andere zu Gehorsam zu bewegen unter Androhung von Strafen und nicht Gottes Geschichten? Letzteres frage ich mich heute noch. Die Muslime fragen sich etwas ganz anderes. Sie fragen sich, welchen Sohn Gott gemeint hat. Im Koran steht die Geschichte in der Sure 37 in Vers 102 und 107. Und es wird nur von dem Sohn gesprochen, aber nicht, von welchem. Man war sich im Islam lange uneinig. Ismail, das uneheliche Kind und der Ältere mit Hagar, oder der eheliche Sohn Isaak mit Sarah. Die Bibel spricht von Isaak. Im Koran wird der Name nicht erwähnt, sondern, dass Abraham die Sache mit dem Sohn besprochen haben soll, und der wäre einverstanden gewesen. Araber bezeichnen sich auch gerne als Ismailiten. Es heißt, mit dem Sohn Abrahams wolle Gott ein Volk gründen. Nachdem Ismail - unehelich hin oder her - eben der Ältere ist, sehen die Muslime Ismail als ihren Stammesvater an. Sarah fand das mit Ismail und Hagar wohl doch nicht so lustig und bat Abraham, beide weg zu schicken. In die Wüste mit nur wenig Wasser. Gott hätte beide aber gerettet, und Ismail hätte sogar eine Ägypterin zur Frau genommen. So die muslimische Geschichte von Abraham und seinen beiden Söhnen. Jedenfalls hat Abraham gehorcht, und die Muslime feiern derzeit das Opferfest. Diejenigen, die ich spreche, wissen über das Opferfest auch nicht mehr als viele Christen über Weihnachten. Angeblich sind jetzt zu Eid die Strände in Dahab gesperrt. Und unser Tauchguide erzählt, dass morgens tatsächlich auch nur die Taucher Zugang zum Meer hatten. Im Tagesverlauf hätte sich aber alles auf Normalbetrieb eingependelt. "Die Strände sind doch zu" sagt er, und lacht dabei laut. Es ist schön, sich relativ frei unterhalten und freizügig, beispielsweise in kurzer Hose, bewegen zu können, ohne belästigt zu werden. So verbringen wir hier einige Zeit miteinander. Mal mit Gesprächen, mal mit viel Lachen und Spaß. Unter anderem habe ich mir nach dem Flop mit der wasserdichten Tasche jetzt eine Action-Kamera zugelegt. Zunächst im Wasser einfach mal drauf los ausprobiert, dann aber doch die Einstellungen studiert und ein bisschen den Umgang geübt. Eine GoPro ist es nicht, wie ich von meinen Kolleg*innen erfahre. Aber zum Ausprobieren reicht es. Ich musste sowieso in vier verschiedene Läden, um überhaupt so eine Kamera zu ergattern. Wir sprechen über Fotos über und unter Wasser und ich erfahre, dass in der Bucht von Lighthouse eine Art Tauchparcours installiert wurde. Mit einem Elefanten und Ringen zum durchtauchen. Ich bekomme Lust auf das Tauchen in der nächsten Woche und genieße die allabendlichen Treffen in der Blue-Beach-Bar. Vorher muss ich aber noch zum Taucharzt, denn beim Springen von der Plattform war ich einige Meter untergetaucht ohne Druckausgleich und hatte mir im Ohr weh getan. Jetzt an Eid ist es mir eh zu voll und ich genieße das Schnorcheln und das Experimentieren mit meiner neuen Kamera. Hier ist ein Video von einer Mini-Fahrradtour von Eel-Garden über die Mamsha und über Lighthouse zurück. Die Kamera hatte ich auf dem Lenkrad installiert, und bei holperiger Strasse ist auch das Video holperig. Trotzdem gibt es einen kleinen Eindruck vom Leben hier in Dahab am Eid-Al-Adha-Wochenende.

Yogamatte, Windeln und Co

Heute morgen aufgewacht ohne Wecker. Das erste Mal seit über zwei Wochen, denn es galt, Abgabetermine einzuhalten. Vier Ratgeber waren geplant, zehn sind es geworden. Ratgeber? Ja, Ratgeber. Für die Online-Seiten einer österreichischen Zeitung. Ratgeber und Serviceseiten gehören zum Ressort Wirtschaftsjournalismus Ich erinnere mich an meine Hausaufgabe zu diesem Thema. Ich stellte in einem Vergleich Fahrdienste wie Uber und Careem dem Taxifahren in Kairo gegenüber. Gefragt waren neben Ratgebertext auch eine Tabelle mit Kriterien, Aufzählungen und Empfehlungen. Aktientipps oder der Bericht über eine Hauptversammlung hätte auch zum Thema gehört, aber man konnte in der Hausaufgabe nicht von jedem Lernenden entsprechende Fachkenntnisse aus der Finanzwelt voraussetzen. Bei den jetzigen Ratgebern werden mir die Themen vorgegeben, gemeinsam mit der erwarteten Textlänge und dem Briefing, was alles mit rein gehört. Zum einen soll der Ratgeber natürlich diejenigen Fragen beantworten, nach denen die Leser online suchen. Zum anderen möchte die Zeitung, dass, wenn jemand beispielsweise online nach Kinderwagen sucht, er in Google als erstes die Seite der Zeitung angezeigt bekommt. Dieser Teil ist dann der Marketingpart an der Arbeit. Von Journalisten werden auch IT- und Social-Media-Kenntnisse erwartet Im Zuge der Digitalisierung und der Entwicklung der Online-Medien hat sich das Berufsbild des Journalisten verändert. Die Zeiten, in denen ein Journalist mit Bleistift und Block los zog und Geschichten aufschrieb, seien vorbei. Vielmehr werden crossmediale Fähigkeiten erwartet, schriebt der Deutsche Journalisten Verband (DJV) in seinem Artikel über Arbeitsmarkt und Berufschancen für Journalisten. „Die ideale Mischung scheint aus speziellen, profunden Sachkenntnissen in bestimmten Wissensgebieten zu bestehen – bei gleichzeitiger flexibler Umsetzungskompetenz, also breit gefächerter Fachkenntnis in den journalistischen Arbeitsbereichen und neuen Medientechniken“ heißt es weiter. Rund ein Viertel aller fest angestellten Journalisten seien im Bereich Public Relations und Online-Medien tätig. Und genau hier liegt gemäß Journalistenverband auch eine Gefahr. Es bestünde die Gefahr, dass die Neutralität des Journalisten verloren geht. Wenn sich die Berufsfelder Marketing und Journalismus vermischen, werden die Grenzen fließend. Der Deutsche Journalisten Verband merkt an: „Besonders deutlich wird das am Beispiel der Vermischung zwischen Journalismus und digitaler Technik (crossmediale Produktionen in Wort, Bild und Ton), an der Vermischung von Journalismus und Unterhaltung (Infotainment, Boulevardisierung) sowie an der Vermischung zwischen Journalismus und Werbung bzw. PR in allen Medien (Schleichwerbung, PR-geprägte Themensetzung, Übernahme von Pressemitteilungen).“ Ein Journalist muss neutral und objektiv sein, es sei denn er schreibt einen Kommentar (oder eine Kolumne). „Die Arbeitsbedingungen müssen nach DJV-Ansicht so gestaltet sein, dass die eigentlichen journalistischen Aufgaben – Beschaffung, Prüfung, Bewertung und Vermittlung von Informationen – nicht durch andere Tätigkeiten überfrachtet werden oder durch Multitasking in ihrer Qualität zu kurz kommen. Gleichzeitig in Wort, Bild und Ton für die Zeitung, die Homepage, das App und das Lokalradio zu berichten, dabei noch soziale Netzwerke zu bedienen und zu twittern – das überfordert und geht zu Lasten der Berichterstattungsqualität", so Ulrike Kaiser für den DJV. Leider stellen Redaktionen immer weniger feste Redakteure an, gut die Hälfte aller Journalisten arbeitet freiberuflich. Daher sehen sich etliche Journalisten gezwungen, als Pressereferent oder im Marketing nebenberuflich tätig zu sein. Serviceseiten und Kundenempfehlungen gehören zum Marketing 4.0 Wenn man sich die Entwicklung des Marketing ansieht, dann standen zunächst die Produkte und Marken im Vordergrund. Jeder erinnert sich an Puddingwerbung von Dr. Oetker. Das Produkt im Vordergund, Marketing 1.0, vertikale Kommunikation von Dr. Oetker an alle. Das Marketing 2.0, das ich vor immerhin dreißig Jahren kennengelernt hatte, entdeckte die Diversität des Kunden. Wer zu viel wiegt braucht Pudding ohne Zucker, und wer mit Koffein abends schlecht einschläft einen Kaffee Hag. Die Marketing-Ps „Product-Prices-Places-Promotion" definierten wesentlich die Distributionsprozesse. „Wer kauft was wann wo zu welchem Preis und warum?" war ausschlaggebend. Die weitere Entwicklung ging mit Marketing 3.0 in Richtung Service und Kundenbedürfnisse. Kernkompetenzen wurden um Services und Dienstleistungen erweitert, die mit dem Kernprodukt zu tun haben und den Kunden zum Kauf des Kernproduktes animieren sollen. Ein auch von Philip Kotler, den ich im Kotler/Bliemel-Lehrwerk an der Uni Freiburg las, wo er als Marketingpapst gehandelt wurde, immer gern gewähltes Beispiel ist Starbucks. Das Kernprodukt ist Kaffee, die Nebenprodukte amerikanische Kuchen und Merchandising und der Service die Sitzgelegenheiten. Die Kommunikation, so Herr Kotler im aktuellen Marketing 4.0-Buch, war aber immer noch vertikal von Hersteller an Kunden. Bei Marketing 4.0 reden alle mit Im Rahmen der Digitalisierung hat sich im Wesentlichen die Kommunikationsebene von vertikal zu horizontal verschoben. Online-Plattfomen ermöglichen unzählige Vertriebsmöglichkeiten, Kundenbewertungen können über einen Markterfolg entscheiden, Kundenfeedback wirkt sich auf die Produktgestaltung aus, die Kommunikation mit dem Kunden erfolgt direkt online, Privatpersonen, sogenannte Influencer machen Werbung und und und. Das, was die Marketinglandschaft verändert hat, ist letztendlich für den Verbraucher verwirrend. Emotionen werden zunehmend mit Produkten verknüpft. Sound Branding hat in den letzten zehn Jahren die Markenpolitik erobert. Produktentscheidungen sollen auf Basis von positiven Erinnerungen, beispielsweise an einen Song, und nicht mehr auf Basis von Informationen getroffen werden. Denn dem potentiellen Kunden fällt es im Fakten- und Fakedschungel schwer, die relevanten Informationen heraus zu filtern. Und da kommen wieder die Ratgeber ins Spiel Ratgeber und Serviceseiten wollen im Produktwirrwar dem Kunden mit Kaufberatung helfen. Allzu oft stehen diese Serviceseiten jedoch in der Kritik. Sie seien vom Hersteller oder der Vertriebsplattform gekauft und eigentlich Werbung und keine objektive Beratung. Und tatsächlich gibt es unzählige Internetseiten und Blogs, die sich testsieger-„produktname“.de oder ähnlich nennen. Ohne jemals getestet zu haben und auf denen lediglich erwähnt wird, dass dieses oder jenes Produkt der Testsieger von Stiftung Warentest sei und man den sofort kaufen könne, wenn man jetzt hier klickt. Die Absicht der Seite wird sehr schnell klar. Auch auf der Seite der Zeitung, auf der meine Ratgeber veröffentlicht werden, finden sich Produkttabellen, und unten in der Produkttabelle verschiedene Plattformen, auf denen man das Wunschprodukt dann kaufen kann. Und natürlich verdient die Zeitung mit, wenn jemand über die Seite der Zeitung bei Amazon, idealo, eBay und anderen Seiten einkauft. Das sollte aber jedem klar sein, der erwartet, dass man Online-Artikel von Zeitungen kostenfrei im Internet lesen kann. Wenn keine oder weniger Zeitungen gekauft werden, woher soll das Geld für qualitativen Journalismus kommen? Ratgeber und Serviceseiten sind eine Möglichkeit, qualitative Informationen zu liefern und sich entsprechend zu refinanzieren. Selbst namhafte Magazine wie Focus und Stern, Computerbild und Chip bieten Online-Kaufberatungen an. Sind Ratgeber denn jetzt seriös oder nicht? Die Antwort lautet wie so oft im Leben: „Kommt darauf an“. Meine selbstverständlich ja. Denn ich werde ordentlich bezahlt und vertrete immer noch eine gewisse Ethik. Ich lüge nicht, auch nicht für Produkte, ich recherchiere gründlich und gebe Quellen an. So, wie man das als ordentliche Journalistin eben macht. Ich lese zu jedem Produkt den Test der Stiftung Warentest. Den kostenpflichtigen, denn wir haben Zugang dazu. Dann folgt der Test von Öko-Test, der im Wesentlichen auf Schadstoffe eingeht. Schreibe ich über Musikinstrumente, höre ich mir auf Youtube die unterschiedlichen Klänge an. Ich lese Produktspezifikationen der Hersteller, Fachzeitschriften und lese Kundenkommentare und -bewertungen. Alleine darüber könnte ich einen eigenen Artikel, ach was, ein Buch schreiben. Wenn ich in kleineren Ratgebern auch die Produkttabelle selbst anlege, direkt im Online-Tool übrigens, dann stelle ich Herstellerangaben nebeneinander. Bewerte ich, dann auf Basis von gesundem Menschenverstand, meistens jedoch auf Basis von Kundenfeedback. Meine Lieblingsantwort auf Fragen bei einem Online-Händler ist: „Das weiß ich nicht“. Eine typische Frage kann sein: „Sind in Ihrem Kunststoff Weichmacher enthalten?“, die sind nämlich meist gesundheitsschädlich. Und da bekommt man tatsächlich die Antwort von Lieschen Müller „Das weiß ich nicht“. Da möchte man dann sehr gerne zurück schreiben: „Dann schreib halt nichts“, denn das will niemand lesen. Ich bin dazu über gegangen, einem Tipp eines Kollegen zu folgen und nur noch die mittel bewerteten Kundenmeinungen zu lesen. Die Super-Bewertungen könnten bezahlt sein, bei den schlechten Bewertungen war womöglich jemand sauer, weil das Produkt beschädigt ankam. Beispielsweise. Und wenn für mich jemand die Vorrecherche gemacht hat und meine Aufgabe das Schreiben des Textes ist, dann recherchiere ich die Stichpunkte nach. Beim Thema Yogamatte fiel das Stichwort „Hamburg“. Was hat eine Yogamatte mit Hamburg zu tun? Ganz einfach. In Hamburg, aber auch in München, sitzen findige Unternehmensgründer, die mit ihrem Startup nachhaltige Yogamatten herstellen, beispielsweise aus recycelten PET-Flaschen. Ethik muss man sich aber leisten können Ich arbeite für eine Verlagsgruppe, die ich für absolut seriös halte und bei der meiner Meinung nach auch alles mit rechten Dingen zu geht. Vertraglich, finanziell und inhaltlich. Ich werde pro Text bezahlt, und das bedeutet, ich kann mir die Zeit selbst einteilen und recherchieren, so viel wie ich das für richtig halte. Bei Musikinstrumenten muss ich natürlich weniger recherchieren, als bei einem Laufband. Es gibt Beratungen, da wurde getestet, und dann weisen wir nach, dass getestet wurde. Wenn wir nicht testen, sondern nur Herstellerangaben nebeneinander stellen und Testergebnisse von seriösen Anbietern wie Stiftung Warentest vergleichen, dann nennen wir das auch Vergleich. Wir haben Zugänge zu Fotodatenbanken, die wir bezahlen und bei denen wir die Bildquelle angeben, wir haben Zugang zu Recherchedatenbanken für wichtige Keywords, um heraus zu finden, wonach Leser gerade suchen und welche Fragen sie online stellen. Es wäre naiv zu denken, wir wollten damit kein Geld verdienen. Aber es gibt Grenzen, zumindest für mich Mir ist wichtig, für eine Verlagsgesellschaft und nicht für einen Textbroker zu arbeiten. Aufträge für x Cent pro Wort lehne ich ab. Wie soll ich für 2-3 Cent pro Wort, das sind pro Normseite dann maximal 6 bis 9 Euro, arbeiten? Dafür kann man keine Qualität liefern. Unsinnige Angebote lehne ich auch ab. Beispielsweise: Hier ist ein Text, den Sie nur umschreiben müssen. Es muss der Inhalt gleich bleiben, aber das muss neu geschrieben werden. Drei Texte so ungefähr 350 Wörter, das sind 1.000 Wörter dafür zahlen wir 7 Euro. Wie bitte? Pro Normseite sind es 250 bis 300 Wörter, also drei bis vier Seiten, das ist ein Seitenlohn von 2 bis 3 Euro. Nein danke. Aber das "nein danke" muss man sich leisten können. Ebenfalls abgelehnt habe ich den Job als Texterin für sogenannte Pop-Kultur-News, „Bored Panda“ oder „Bored Daddy“ beispielsweise. Ich weiß gar nicht, was die gezahlt hätten. Aber die haben so massiv in das Briefing eingegriffen, dass ich es unter vorsätzlicher Irreführung verzeichne. Es sollten Bildunterschriften gefunden werden, die den Leser veranlassen sollen, den Artikel zu öffnen. Und zwar um jeden Preis. Das Bild muss nicht original zum Text sein und es muss Klicks bringen. Dazu soll man den Kunden auf die falsche Fährte führen, die man dann im Artikel auflöst. Der Artikel wird aber nicht als Artikel geschrieben, sondern als Häppchen. Jedes Häppchen auf einer separaten Seite, durch die der Leser sich durchklicken muss. Klar, mehr Seiten, mehr Werbefläche. Jedes Häppchen muss mit einer Frage abschließen, die auf der nächsten Seite beantwortet wird. „Wollen Sie wissen, wie die Mutter Ihr Kind misshandelt hat? Hier klicken und weiterlesen“. Und das hat dann für mich auch unter dem Begriff Pop-Kultur nichts mehr mit News zu tun. Auf Englisch war es auch noch, also auch hier ein "nein danke". Ratgeber sind super Ich schrieb mit meiner Lehrerin die mich durch das Fernstudium begleitet hat. "Die ZEIT ist nicht unerreichbar", schrieb sie. Aber ich solle klein anfangen und lernen, was den Alltag des Schreibens von der Theorie unterscheidet. Für mich sind die Vergleiche und Ratgeber ein großes Glück. Schreiben ist Arbeit geworden. Nicht mehr nur Lernen oder Blog als Tagebuch schreiben. Die Zusammenarbeit mit der Redaktion und dem Lektorat, die Eingabe ins Backend, das Einhalten von Deadlines, das Recherchieren und Formulieren, das alles bekommt nach und nach Routine. Und das ist super. Außerdem lerne ich total spannende Dinge und deren Hintergründe kennen. Kalimbas und Windeln, Plattenspieler mit Direktantrieb, Hochbeete und Laufschuhe. Wenn man dabei noch im Strandcafé sitzen darf, dann ist das doch ein großes Glück. Trotzdem ist ab morgen vor allem Schnorcheln und Tauchen angesagt. PS: Und wenn die Ratgeber dann online sind, geb ich Bescheid.

Vom Suchen und Finden am Morgen

Die Tauch- und Schnorchelspots in Dahab sind legendär. Insider kennen das Blue Hole, Abou Galoum, Eel Garden, Lighthouse, The Islands und Three Pools. Nur leider ist es seit 2015 schwierig, von Deutschland oder anderen Ländern aus nach Dahab zu kommen. Seitdem im Jahr 2015 im Südsinai eine russische Passagiermaschine abgestürzt ist, haben viele Airlines zunächst die Direktflüge nach Sharm-El-Sheikh, dem nächstgelegenen Flughafen von Dahab, eingestellt. Die Corona-Pandemie hat der sich im Laufe der Zeit bessernden Situation dann wieder einen Dämpfer verpasst. Zwar durften in Ägypten Anfang Juli ein Großteil der Hotels mit begrenzter Kapazität wieder öffnen. Doch die meisten Gäste sind Ägypter. Gegen Ende des Monats zum Opferfest sind wieder einige Tage frei, da dürfte es dann nochmal voller werden. Ägypter erhalten aber auf Hotelpreise sogenannte Einheimischen-Konditionen mit einem Rabatt von 25 bis 30%, zudem dürfen die Hotels nicht alle Betten belegen. Ein sich lohnender Business Case sieht anders aus. Will man dieser Tage von München aus nach Sharm-El-Sheikh, dann muss man den Umweg über Kairo nehmen. Abgesehen davon, dass der Flug zwischen 600 und 700 Euro kostet mit Egyptair, dauert er auch über 22 Stunden. Einen Direktflug gibt es nicht. Corona und Quarantäne auf dem Nachhauseweg mal ganz außen vor gelassen. Mal eben eine Woche Schnorcheln an traumhaften Riffs lässt sich für Dahab derzeit nicht ohne weiteres realisieren. Daher bin ich froh, dass ich hier derzeit die Tage genießen kann. Beim Schnorcheln am ersten Riff in Lighthouse war ganz schön Betrieb. Um mich herum Taucher und Schnorchler. Bei einem jungen Mädchen fiel mir auf, dass sie Fotos machte. Ich hatte beim Advanced-Tauchschein auch Fotografieren unter Wasser gelernt und bekam wieder Lust darauf, wollte allerdings nicht viel Geld für Equipment ausgeben. Weder meine Olympus-Kamera noch mein iPhone möchte ich mitnehmen ins Wasser, auch nicht mit einem wasserdichten Case. Ich entschied mich, mein Dual-Sim-Handy zu nehmen, das auch beim Reiten mit dabei sein durfte. Wäre schade drum aber nicht ganz so dramatisch. Im Tauchshop bekam ich eine wasserdichte Hülle für 100 LE, ca. 6 Euro, die fürs Schnorcheln geeignet sein soll. Alles eingepackt und vorbereitet ging ich voller Vorfreude schlafen. Nachts fiel mir ein, dass ich für das Handy ja noch eine Mini-SD-Card besitze. Und nachdem der zweite Slot dafür wieder frei ist, wollte ich am nächsten Morgen danach suchen. Eine Stunde später als geplant aufgestanden, aber ma3lesh. SD-Karte suchen, das fiel mir wieder ein. Ich suchte. Und war erstaunt, was ich alles fand. Erstmal in der Technikschublade suchen. Alle paar Minuten kam mir ein freudiges "ach ja" über die Lippen. So fand sich die kleine Powerbank wieder, die auch promt aufgeladen wurde. Mein Mini-Stativ wurde ausgepackt und erstmal ausprobiert, ob es denn auch auf das iPhone passt. Dann erkannte ich, dass das Stativ ja eine Fernbedienung hat. Eine weitere Steckdose wurde mit Ladekabel belegt. Ach und ja, meine gute Kamera, die hatte in diesen Tagen noch gar kein Sonnenlicht gesehen. SD-Karten fanden sich, aber diejenigen für die Kamera. Ob die wohl alle leer sind? Erstmal nachschauen. Voller Freude fand sich im Täschchen mit dem Interview-Mikrofon auch mein Mikrofasertuch wieder. Das einzige Tuch, das meine Bildschirme wirklich richtig von Fingertapsern befreit. Alle Bildschirme sind jetzt sauber. Im Kulturbeutel fand ich Pflaster, im Schminketui jede Menge Nachgellack. Vielleicht noch in den Mäppchen für die Stifte? Tintenpatronen, rote, grüne, schwarze Stifte, ein Stück Kreide, Folienstifte, ein alter und ein neuer Radiergummi, ein Klebestift, Büroklammern und ein Tafelmagnet, der Adapter USB-C zu USB für das Handy, ein Anspitzer, Stempel mit Herzchen und Noten für gute Arbeitsblätter und Tests und, schau an, eine SD-Karte. Allerdings eine große, und zwar die mit 16 GB, die ich schon länger gesucht hatte. Gleich ausprobiert mit der Kamera. Dabei stellte ich fest, dass ich an der Kamera meinen Blitz abnehmen kann und dass die Modellbezeichnung in das Gehäuse graviert ist. Da habe ich mir auf Youtube dann doch gleich mal ein Anleitungsvideo dazu angesehen. Inzwischen war es 10 Uhr und sehr windig draußen. Ich hatte einige Fotos auf Shutterstock hochgeladen bzw. hochladen wollen. Denn insbesondere die Fotos mit der richtigen Kamera finde ich gut gelungen. Einige Fotos wurden akzeptiert, andere abgelehnt. Weil der Horizont nicht gerade ist. Und weil einige Fotos rauschen. Rauschen bei Fotos? Ich höre nichts und habe anscheinend keine Ahnung vom Fotografieren. Außerdem war ich enttäuscht festzustellen, dass die Kamera, die vor zehn Jahren auf dem neuesten Stand und sehr schick war, heute auch nicht mehr Megapixel hat als das neue iPhone. Nachdem Schnorcheln bei zu viel Wind zum einen anstrengend und zum anderen nicht ganz ungefährlich ist, gab ich für heute die Idee auf. Auch unter Wasser muss man beim fotografieren ruhig halten um nicht zu verwackeln. Das weiß ich zumindest. Und ruhig halten bei Wellengang klingt zu anstrengend. An Land aber gibt Wind tolle Motive. Daher entschied ich mich für einen Morgenspaziergang in Eel-Garden und habe tolle Fotos gemacht. Professionell sind sie wohl nicht, aber mir gefallen sie. So war ich dann im Nachhinein froh, dass ich nicht gefunden was ich gesucht hatte. Die schönsten Fotos von heute in einem Foto-Video zusammengefasst:

Nicht überall, wo Restaurant dran steht...

In Ägypten haben seit Anfang Juli wieder Cafés, Bars und Restaurants geöffnet. Unter bestimmten Auflagen. Diese hatte die englische Ausgabe der Zeitung Al-Ahram bereits am 4. Juni veröffentlicht. Von begrenzten Kapazitäten, ausreichend Abstand und Hygienemaßnahmen war dort die Rede. Wie überall auf der Welt, würden wir das heute abgeklärt kommentieren. Leider ist im ganzen Land immer noch Shisha rauchen verboten. In Dahab bekommt man aber als Gast darüber hinaus von der Corona-Pandemie so gut wie nichts mit. Das ganze Leben spielt sich draußen ab. Es ist genug Sicherheitsabstand möglich und weder Lokale noch Strände sind überfüllt. Schön ist das. Auf der Promenade, die sich die ganze Küste von Laguna bis Assala entlang schlängelt, hört man gelegentlich Russisch, vor allem aber Arabisch. Sehr angenehm, hier viele Ägypter anzutreffen. Dahab ist entspannt und fernab vom typischen Handtuch-Touristen-Strandurlaub. Ein Kollege erzählt, er habe den Strand von Eel-Garden vor gut zwei Jahren noch fast unbebaut kennengelernt. Heute stehen auch hier direkt am Strand die Café- und Restaurant-Hüttchen, fast ein jedes mit einer Dachterrasse für laue Sommernächte unter dem Sternenhimmel. Traumhafte Riffs wie Eel-Garden oder Lighthouse sind vom Strand erreichbar. Nur noch wenig Strand vor den Riffs ist unbebaut. So nutzt man tagsüber zum Schwimmen oder Schnorcheln eines der unzähligen Cafés, die immer auch ein Stück Strand oder Meerzugang über eine Treppe ihr Eigen nennen. Die erste Reihe bietet oft Liegestühle, von denen man sich einen schnappt, seine Sachen darunter verstaut und zur Abkühlung ins Wasser springt. Als Dankeschön für diesen Service genießt man anschließend ein Kaltgetränk oder isst eine Kleinigkeit. So ist jeder glücklich. Wir hatten Hunger. Weit wollten wir nicht und entschieden, uns in Eel-Garden gleich in unserem Viertel an der Promenade zu treffen. Das schicke Fischrestaurant, eigentlich auch nur ein Hüttchen mit schicken Preisen, hatte für uns nur einen Katzentisch an der Promenade, fern vom Meer. Das Prime und das El Light geschlossen beziehungsweise Soft Opening ohne Essen. Im Eel-Garden-View-Restaurant teilte man uns mit, heute seien ungefähr 100 Leute da gewesen, man könne uns nur noch Pizza machen. Pizza in Anbetracht einer eventuell doch noch bevorstehenden Bikinifigur lehnte ich aus Kaloriengründen ab. Zu faul nach Lighthouse zu laufen und das Fahrrad im Hof zuhause, entschieden wir uns für den View-Restaurant-Nachbarn, das Café und Restaurant El Diamond. Zum Essen saßen wir drinnen an einem Tisch, freuten uns aber, als draußen am Strand ein Platz mit Meerblick auf Beduinenteppichen frei wurde. Wir erhielten zwei Speisekarten mit der Erklärung, eines sei eine indische Speisekarte, die andere sei chinesisch. Unsere Bedienung war sehr freundlich, sah aber weder indisch noch chinesisch aus und konnte uns auch keinerlei Auskunft über die angebotenen Speisen geben. Während der Bestellung stutzte ich kurz, denn die Bestellung wurde ins Handy eingetippt. Überhaupt schien das Handy während des gesamten Bestellvorgangs eine wichtige Rolle zu spielen. Wir erhielten relativ zügig unsere Getränke, auf das Essen mussten wir jedoch gut 45 Minuten warten. Ich sah mich um und konnte keine Küche entdecken. In den Hüttchen findet sich in der Regel immer nur eine Kaffee-Ecke, in der Kaffee und frische Säfte zubereitet und Getränke aus dem Kühlschrank angeboten werden. Die Hütten sind quasi nur die Strandfiliale eines auf der anderen Promenadenseite gelegenen Restaurants. Dort sind Garten und Restauranträume, oft eine weitere Dachterrasse, Küche und Waschräume zu finden. Gegenüber vom El-Diamond liegt ein Apartmenthaus. Nach Restaurant sieht da nichts aus, aber noch bin ich optimistisch. Mein Kollege wundert sich inzwischen mit mir und murmelt, möglicherweise hätte ich recht. Und tatsächlich. Nach einer guten Dreiviertelstunde huschte unsere Bedienung mit einer Tüte in der Hand in das Restaurant und verschwand hinter der Kaffee-Bar. Einige Minuten später stellte man uns Pappschüsseln und Plastikbesteck auf den Tisch. Das da sei indisch, das da sei chinesisch gab es noch als Erklärung dazu. Wir sahen uns an und schmunzelten. Geschmeckt hat es, aber unter Restaurant hatten wir uns etwas anderes als Delivery-Service vorgestellt. Der Begriff „Gaststätte“ umfasst nach dem deutschen Gaststättengesetz die „Schankwirtschaft“ (das heißt, Getränke werden zum Verzehr an Ort und Stelle ausgeschenkt) und die „Speisewirtschaft“ (das heißt, zubereitete Speisen werden zum Verzehr an Ort und Stelle angeboten). Sowohl in Ägypten als auch in Deutschland braucht es jede Menge Genehmigungen und Papierkram, um eine Gaststätte zu eröffnen und zu führen. Es geht dabei um Baurecht, Hygiene, Verarbeitung von Lebensmitteln, Schankrechte und die Konzession. Nirgendwo war die Vorschrift zu finden, dass das Essen direkt vor Ort zubereitet werden muss. Enttäuscht waren wir trotzdem aber auch belustigt über die Kreativität der Ägypter. Zunächst überlegten wir auch noch, ob das eventuell mit Corona zu tun hätte. In Dahab sind Plastiktüten seit Juli des letzten Jahres aus Umweltschutzgründen per Gesetz untersagt. Dieses soll nur einer erster Schritt sein, um die Unterwasserwelt rund um Ägypten von Plastikmüll zu befreien. Daher sind Baumwolltaschen, Einwegbesteck aus Holz ähnlich der traditionellen Pommesgabel sowie Pappbecher keine Seltenheit und gerade auch in Coronazeiten eine hygienische umweltfreundliche Lösung. Ich konnte es mir aber nicht verkneifen, beim Nachbarn im Eel-Garden-View-Restaurant, in dem ich gerne die frühabendlichen Stunden nach dem Radfahren oder Schwimmen verbringe, nach seiner Küche zu fragen. Ich bekam die Menü-Karte und fragte, ob es eine eigene Küche gäbe. Die Antwort lautete: "Ja, hier kannst Du essen". Ich erwiderte, dass ich das wisse und dass der Hintergrund meiner Frage sei, ob sie das Essen selbst zubereiten oder sich das liefern lassen. Ich wurde etwas verdattert angesehen und man bestätigte mir die hauseigene Küche. Tatsächlich gab es als Huhn-Variante auch nur das Curry mit Gemüse, das aber auf einem Teller mit hübschen Tomaten-blumen und fein dekorierten Gurken-scheiben und Meerblick. Mit richtigem Besteck, die Cola Zero aber aus einem Plastikbecher. Im Gegenzug konnte man es sich dann aber nicht verkneifen zu fragen, wie ich denn auf so einen Blödsinn mit dem Delivery-Service käme. Ich erzählte von dem indischen und chinesischen Essen in Pappschüsseln beim Nachbarn. Das verdutzte Gesicht erhellte sich, ein kurzer Lacher und der Kommentar: "Ach so. Na die sind neu und müssen sowieso noch ganz viel lernen." Kicherte und verschwand.

Jetzt immer langes Wochenende

Ägyptens Ministerpräsident Madbouli hat am letzten Wochenende verkündet, dass für Feiertage, die auf einen Tag mitten in der Woche fallen, zukünftig am nächsten Donnerstag frei sein sollen, so EgyptToday am 29. Juni. Hintergrund sei, so heißt es weiter, man wolle so den Ägyptern lange Wochenenden ermöglichen. Für Banken und Börsen wird dieses Wochenende dadurch besonders lang, denn am 30. Juni war nicht nur Gedenktag für die Revolution in 2013, Ende Juni endet auch immer das Geschäftsjahr für die Banken. Somit haben die Banken und die Börse im Land derzeit von Mittwoch bis Samstag geschlossen. In Deutschland werden jetzt eventuell einige Banker neidvoll in das Land der Pharaonen blicken. Aber geht das einfach so? Feiertage verschieben? Klar geht das und zugegebener Maßen ist das auch nicht so ganz neu in Ägypten. Die Ägypter fanden es immer schon unfair, wenn ein Feiertag so frech war, auf das Wochenende zu fallen. In der Regel verkündete dann kurz zuvor die Regierung, dass der nächste Wochentag, also meist ein Sonntag, als Ausgleich dafür frei sei. Also wozu die Aufregung? Die islamisch religiösen Feiertage richten sich nach dem Stand des Mondes. Zum Jahresbeginn wird jeweils in etwa berechnet, wann diese sein könnten, beispielsweise Ramadan, verschiedene Eid-Feste und der Geburtstag des Propheten. Ostern und Pfingsten in westlichen Ländern werden beispielsweise auch nach dem Kirchenjahr berechnet und finden im Frühjahr statt, nicht jedoch zu einem bestimmten Termin wie Weihnachten. Allerdings sind die Termine wie Ostern und Pfingsten im Vorfeld für das gesamte Jahr festgelegt. Nicht so in Ägypten. Kurz bevor ein islamischer Feiertag ansteht, wird der Mond beobachtet. Mehrere religiöse Zeugen müssen beispielsweise für den Beginn des Ramadan die Mondsichel gesichtet haben. Die Verkündung der Feiertage erfolgt durch das Dar El Iftaa, dem Fatwa-Amt als Zentrum für islamische Rechtsfragen, oder die Al-Azhar-Universität. Flexibilität sind die Ägypter also gewöhnt. Die großen Feiertage wie Eid-al-Fitr, das Zuckerfest nach dem Ramadan, und Eid-al-Adha, das Opferfest, werden immer einige Tage lang gefeiert und dann meist an ein Wochenende angehängt oder entsprechend verlängert. Die eintägigen religiösen Feiertage richten sich nun zukünftig nach dem Mond und sind dann immer donnerstags frei? Koptisches Weihnachten, koptische Ostern, islamisches Neujahr und der Geburtstag des Propheten zählen dazu, macht mit den Eid-Feiertagen schon mal sechs lange Wochenenden. Diese werden durch sechs Bankfeiertage ergänzt wie dem Nationalfeiertag, verschiedene Gedenken an Revolutionen und militärische Siege sowie dem Tag der Arbeit. Wenn der Mond es gut meint, könnte es zukünftig jeden Monat ein langes Wochenende geben. Ein Feiertag ist mehr als nur ein Tag frei. Religiöse, aber auch gesellschaftliche Feiertage geben einem Jahr Struktur. Struktur und Rituale geben Halt und Sicherheit. In Familie, in Schule und Beruf und auch in der Gesellschaft. Insbesondere in schwierigen und instabilen Zeiten wie es die Welt derzeit mit der Corona-Pandemie erlebt. Ist es dazu wichtig, dass diese Tage an einem bestimmten Datum stattfinden? Wahrscheinlich nicht. Vielmehr gewinnt die Jahresplanung durch die Neuregelung an Stabilität. War bislang nur in etwa der Feiertag bekannt, ein Tag hin oder her immer möglich, so weiß man jetzt, in jener Woche wird ein Feiertag sein, somit ist der Donnerstag dann entsprechend frei. Wird Donnerstag das Stiefkind unter den Wochentagen? Zukünftig werden 23% aller Donnerstage in Ägypten für den privaten Sektor frei sein, vorausgesetzt, die Regelung bleibt so bestehen. Viele werden jubeln, aber nicht jedem wird das gefallen. Manchmal ist es einfach schön, einen Tag mitten in der Woche frei zu haben. Das geht jetzt nur noch mit Krankmeldung oder Teilzeit. Doch abgesehen von den persönlichen Vorlieben könnte der Donnerstag eine Art Stiefkind unter den Wochentagen werden. Der Tag, an dem die sogenannten unwichtigen Fächer in der Schule unterrichtet werden, bei denen es nicht so schlimm ist, wenn sie ausfallen wie bei Mathe oder Deutsch. Aus Schulleitersicht, nicht aus Perspektive der Schüler. Donnerstag wird sicherlich auch nicht der beste Tag für wichtige wöchentliche Meetings. Vermutlich wird der Donnerstag trotzdem der neue Lieblingstag vieler werden. Zwölf verlängerte Wochenenden bieten sich an zum Reisen im Inland, sei es ans Meer oder in die Wüste. Hotels, Clubs, Freizeitzeitanbieter, Cafés und Restaurants werden sich nach spärlicher Coronazeit über einen weiteren Wochenendtag freuen. Schüler und Angestellte sowieso. Und sollte dann wirklich Mathe ausfallen - ma3lesh. Mathe gibt es ja auch noch von Sonntag bis Mittwoch.

Eine quasi-Ausgangssperre bleibt

Kairo nach Corona-Beschränkungen Auf der Ring-Road in Kairo ist Wochenendverkehr gegen Abend. Mehr als in den Wochen und Monaten zuvor, denn die gröbsten Ausgangsbeschränkungen sind aufgehoben seit dem 27. Juni 2020. Die Geschäfte dürfen öffnen bis 21 Uhr, Cafes, Restaurants und Clubs wieder bis 22 Uhr. Mit 25% Kapazität unter Berücksichtigung von Hygienevorschriften, der Maskenpflicht und den Abstandsgeboten. Shisha ist verboten. Für viele bedeuten die Lockerungen „Hurra, Corona ist vorbei“, andere sind doppelt besorgt ob der nun zu erwartenden Unbedarftheit in der Bevölkerung. Anhand der getragenen Masken lässt sich eventuell eine Einschätzung über die Haltung einfangen. Geschätzt ein Drittel trägt die Masken vorschriftsmäßig, ein Drittel hat irgendwie eine Maske dabei, bei der Hitze meistens unter dem Kinn, ein Drittel völlig unbedarft ohne Mundschutz. Aus dem Auto heraus neugierige Blicke. Es fallen Sätze wie „Guck mal, tatsächlich, die haben auf“, wenn Cafés am Nil beleuchtet sind. Ungläubiges Staunen und Erleichterung nach sozialer Dürre. Eine nicht repräsentative Umfrage auf Facebook mit im Durchschnitt 46-Jährigen hat ergeben, dass die Bildungsschicht der sich derzeit in Kairo Aufhaltenden die letzten drei Monate mehr oder weniger zuhause verbracht hat. Als Tätigkeiten tagsüber wurde vorwiegend Home-Office und Home-Schooling angegeben, während der Ausgangssperre waren Medien besonders beliebt. Netflix, Soziale Medien, Fernsehen. Freunde treffen fiel fast ganz aus, stattdessen ein wenig Bewegung, Zeit mit der Familie, Weiterbildung und Hobbies wie Musik oder Zeichnen. Auch SchülerInnen versuchten, der Situation etwas Positives abzugewinnen und gaben sich Tipps, wie man sich neben E-Learning und Hausaufgaben zuhause die Zeit vertreiben könne. Ein geregelter Tagesablauf mit Arbeit oder Schule, Aktivität, Hobbies und Lesen anstatt ein Dasein als Couchpotato war für Erwachsene, Kinder und Jugendliche gleichermaßen in den Wochen seit dem 15. März eine Herausforderung. Auch in Kairo. Ein bisschen fühlt es sich dann doch noch wie Ausgangssperre an. Am Nil entlang bis nach Imbaba zum Schweizer Club sah man jetzt auch nach 20 Uhr eine lebendige Stadt. Beim genauen Hinsehen sind aber die Straßencafés weiträumiger aufgebaut, nicht alle Stühle sind trotz des milden Sommerwetters besetzt. Viele Menschen mit Masken. Im Schweizer Clubs besteht auch Maskenpflicht, die Tische im Garten stehen weit auseinander, vier sind belegt. Zum Bier gibt es Plastikbecher, Essen auf Plastiktellern mit Plastikbesteck. Aus Hygienegründen. Für diejenigen, die essen, aber auch für diejenigen, die ansonsten hinterher abspülen müssten. Alles noch etwas verhalten. Auf der Nilbrücke Kasr Al Nil dann nach 22 Uhr übermütiges Treiben. Keine Ausgangssperre mehr. Junge Paare machen Fotos, Freunde treffen sich, Autos parken unerlaubterweise am Straßenrand, und alle wollen in der Sommerbrise einen Blick auf den nächtlichen Nil erhaschen. Die Stimmung ist fröhlich. Downtown ist zur gleichen Zeit fast menschenleer. Ein bisschen Verkehr und hier und da noch ein offener Kiosk. Wenn Geschäfte und Cafés geschlossen sind, fühlt es sich dann dennoch ein bisschen wie Ausgangssperre an, so in den dunklen fast menschenleeren Straßen. Der Alltag in Downtown hat sich im Vergleich zu den letzten Wochen nicht geändert. Die Bawabs, die Hausmeister, saßen vor und während Corona vor den schweren Altbautüren, und da sitzen sie jetzt immer noch. Die alten Männer müssen weiterhin auf ihre Shisha verzichten, den Wasserkocher und ihre Plastikstühle können sie jetzt aber wieder zuhause lassen, Kaffee gibt es wieder im „Ahwa“, den Straßencafés. Vor den Banken und Telekomläden warten Kunden mit einer Nummer in der Hand in der Wärme bis sie drinnen bedient werden, beim Konditor "Al-Abd" trägt jeder Maske, und jeder Kunde bekommt Hand-Desinfektion, die Jungs vom Parfümladen springen seit Wochen ohne Mundschutz auf jeden Vorbeieilenden zu mit „very good price - buy one get one free“. Corona? Was ist das. Das Gesundheitsministerium veröffentlicht täglich die offiziellen Zahlen und bemüht sich in den Medien um Aufklärung und gibt Hinweise zu Sicherheitsmaßnahmen. Es ist schwer zu beurteilen, ob das Nichtbeachten aus Not, aus Ignoranz oder fehlendem Verständnis erfolgt. Die offiziellen Zahlen liegen heute bei über 65.000 Gesamtinfizierten in Ägypten. Neu haben sich 1.265 Menschen angesteckt, verstorben sind seit gestern 81 Menschen von insgesamt 2.789 Corona-Todesfällen. Wer keine Symptome hat und keine Kontaktperson ist, wird wahrscheinlich nicht im System erfasst. Es bleibt eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Ab 1. Juli soll der internationale Flugverkehr von und nach Ägypten wieder starten. Derzeit sind noch nicht alle Flugverbindungen buchbar, und auch die Anzahl der Flüge ist beschränkt. Ägypten wurde unter anderem vom Robert-Koch-Institut als Risikoland eingestuft, so dass offiziell bei Einreise nach Deutschland eine zweiwöchige Quarantäne notwendig wäre. Alternativ nach vier Tagen ein Corona-Test. Per Stand heute kein schöner Start in einen eventuellen Sommerurlaub in Deutschland. Zumal auch die Rückreise wahrscheinlich, aber nicht wirklich hundertprozentig gesichert ist. Doch wie immer kann sich in Kairo das Leben innerhalb von wenigen Augenblicken völlig ändern. Dank Corona nun eine Erfahrung, die nicht mehr nur auf Kairo beschränkt ist.

Der Spuckbügler hat jetzt eine Sprühflasche

Corona in Kairo Mohamed ist einer der vielen Bügelmänner in Kairo. In Downtown, nicht weit hinter dem Talaat Harb Platz, bügelt er vor allem die Hemden der Nachbarschaft. Er bedient sich dabei einer alten Tradition, die ihm bei den Hausbewohnern den Spitznamen Spuckbügler eingebracht hat. Zum Dampfbügeln nimmt er einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche, behält den Schluck im Mund und sprüht ihn durch seine Lippen auf die zu bügelnde Wäsche. Seit einiger Zeit benutzt er eine Sprühflasche. Auch bei ihm ist Corona angekommen. Tagsüber herrscht in Downtown eine trügerische Normalität. Die Geschäfte sind geöffnet, die Straßenstände verkaufen Brot, Obst und Gemüse. Keifende Weiber in schwarzen Gewändern ziehen ihre Kinder hinter sich her, Paare schleppen Einkaufstüten, junge Männer bieten Duftproben an mit den Worten „good price, get one free“. Beim Zuckerbäcker „Al Abd“ tragen alle Verkäufer und Lieferanten Mundschutz und Einmalhandschuhe, am Eingang werden die Hände der Kunden desinfiziert. Doch dieses Bild ist selten. Geschätzt ein Viertel aller Downtown-Besucher trägt Mundschutz, bei Temperaturen von 40 Grad sieht man aber keine Einweghandschuhe aus Plastik. In Zamalek, der Nilinsel und Standort vieler Botschaften, haben die Besucherzahlen auf den Straßen abgenommen. Weil viele der Botschaften derzeit nicht oder nur spärlich besetzt sind, weil der, der es sich leisten kann, seit Mitte März im Zweitwohnsitz an der Nordküste sitzt wie Airbnb-Vermieter Mo, weil viele Zuhause bleiben. Am Stadtrand in Sakkara, an der Grenze zur Wüste hingegen ist tagsüber von Corona nichts zu spüren. Der Alltag im Reitstall nimmt seinen gewohnten Gang. Auch das Iftar, das derzeit allabendliche Fastenbrechen, findet in gewohnter Familienrunde mit Reitstallgästen statt. Allerdings spielt sich dort das Leben ausschließlich an frischer Luft ab. Der benachbarte „Sakkara Country Club“ bleibt seit Wochen geschlossen. So, wie alle Restaurants, Cafes, Clubs, Hotels und Sportstätten in Ägypten seit Mitte März. Schulen werden bis Sommer keinen Präsenzunterricht mehr anbieten. Was ist Ladenschluss? Seit einigen Wochen kennt Kairo das, was in Deutschland normal, in Kairo bislang aber undenkbar war. Ladenschlusszeiten. Um 17 Uhr schließen die Geschäfte, ab 21 Uhr zieht in Downtown eine gespenstige Stille ein. Ausgangssperre bis um 6 Uhr morgens. Das ist vor allem im Ramadan ungewöhnlich. Der bisherige Ramadantag sah tagsüber ein Fasten vor, das oft mit Schlafen überbrückt wurde. Zum Iftar trafen sich Familien und Freunde, und es wurde die ganze Nacht gefeiert. Bis zum frühen Morgen, wenn zum Sohour, kurz vor Sonnenaufgang, zum letzten Mal gegessen werden darf. Heute spielen hier und da einige Kinder auf den leeren Straßen Fußball, und einige junge Männer huschen mit dem Fahrrad um die Ecke zum Besuch des Bruders oder zu Freunden. An das fehlende nächtliche Treiben kann man sich gewöhnen. Ramadan-Tafeln für 2020 eingestellt. Schmerzhaft aber ist für viele der Ausfall der öffentlichen Iftar-Speisungen. Für Bedürftige spenden, Zakat, gehört als eine der fünf Säulen des Islams zur muslimischen Pflicht im Ramadan. Restaurants, gut situierte Bürger und Institutionen richten daher im Ramadan öffentliche Iftar-Tafeln aus, an denen Bedürftige zum Fastenbrechen speisen können. Social Distancing folgend fallen sie in diesem Jahr aus. Gespendet werden kann an eine der großen Hilfsprojekte. „Egyptian Food Bank“ oder „Resala“ beispielsweise. Anstatt der Tafeln werden Hilfpakete geschnürt und verteilt. Für eine Spende von 160 Ägyptischen Pfund, umgerechnet derzeit 9,40 Euro, gibt es bei der „Egyptian Food Bank“ eine sogenannte Ramadan Box. Diese beinhaltet 3 kg Reis - 2 kg Nudeln - 2 kg Zucker – 800 g Bohnen - 1 kg Datteln - 1 kg Kichererbsen - 2 Flaschen Öl - 1 Packung Salz - 500 g Käse - 2 Dosen Fleisch. Nachdem die „Egyptian Food Bank“ offiziell als Non-Profit-Organisation registriert und für Ramadanspenden zugelassen ist, werden die Spenden nach islamischem Glauben auch entsprechend belohnt. Die Ramadanspenden sind aber nur ein Teil des „Egyptian Food Bank“-Programms. Ganzjährig, und vor allem auch in Coronazeiten, werden Hilfsbedürftige mit Essen unterstützt. Daran beteiligen sich auch große Firmen wie „Bank of Cairo“, „Pepsi“, „Chipsy“ und andere. Namhafte Schauspieler unterstützen „Resala“. Die Organisation „Resala“ fährt ein vergleichbares Hilfsprogramm, wurde aber vor allem dadurch bekannt, dass namhafte Schauspieler die Organisation unterstützen und für sie werben. Eine Vielzahl von weiteren Hilfsaktionen sind über das Land verteilt, die sowohl in Ramadan als auch in Coronazeiten Kinder und sozial schwächere Menschen unterstützen. Dass Hilfe für Ägypten auch nach Ramadan weiterhin notwendig werden wird, zeigen einige Zahlen. Der Weltalmanach teilt die Erwerbstätigkeit in Ägypten wie folgt ein: 25% Landwirtschaft, 25% Industrie, 50 % Dienstleistungen. Die offizielle Arbeitslosigkeit liegt bei 12,1%. Die Abteilung für Statistik der Wirtschaftskammer Österreich weist aber für 2019 folgende Zahlen aus: Arbeitslosigkeit der Erwerbstätigen zwischen 15 und 64 Jahren 10,1 %, Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren 31,1 %. Die Quote für Selbständige liegt bei 31,3%. Dazu gehören Kleinunternehmer wie Kiosk-Besitzer, Brotverkäufer, Gemüsehändler, Café-Besitzer. Zu den Dienstleistungen zählen vor allem auch der Tourismus. Das Ministerium für Tourismus hatte für das Jahr 2018 8,3 Mio internationale Ankünfte mit 3,3 Mrd USD Einnahmen verzeichnet. Die meisten Menschen in Ägypten spüren Corona weniger anhand von Krankheitssymptomen, sondern vielmehr durch wirtschaftliche Einbußen. Die Regierung hat finanzielle Hilfen zugesagt. Hilfe ganz anderer Art kommt von Künstlern und jungen Firmen. Am 15. Mai verzeichnet Ägypten offiziell 11.228 Coronafälle mit 592 Todesfällen. Bei einer Bevölkerung mit knapp 100 Millionen Menschen mag das wenig erscheinen, ist jedoch, wie in allen Ländern weltweit, in Relation zu der Anzahl der erfolgten Tests zu sehen. Die Entwicklungskurve der Coronafälle in Ägypten stimmt mit den Entwicklungskurven anderer Länder weitestgehend überein. Der letzte online verfügbare Report des Gesundheitsministeriums aus 2015 (mit Zahlen von 2013) über die Situation des Gesundheitswesens in Ägypten zeigt 3 Millionen Krankenbehandlungen wegen Fieber mit Isolation, 50.000 Fälle mit akuten Atemwegsbeschwerden und 117.000 Tuberkulosefälle. In einem Land mit vergleichsweise niedrigem Bildungsstand und diesem Gesundheitsbild ist vor allem Information und Aufklärung bezüglich Corona und der hohen Ansteckungsgefahr gefragt. Dalia Ossama, eine junge Grafikdesignerin und Absolventin der „Deutschen Schule der Boromäerinnen (DSB)“ und der „Deutschen Universität in Kairo (GUC)“, hat bereits im März eine Kampagne auf Instagram veröffentlicht. Zum Thema „Finger weg aus dem Gesicht“ und „Hände waschen“. Lamia Rady, eine Fashion Designerin, war eine der ersten, die Gesichtsmasken genäht hat. „Egyptian Streets“ berichtete über beide jungen Frauen. Das „Projekt Nitrous“ stellt regulär per 3D-Druck Mobilitätshilfen für Menschen mit Behinderungen her. Für Hilfe in Coronazeiten haben sie Visiere aus Plastik für Krankenhäuser entwickelt. Sie konnten in Kooperation mit „Ahl Masr Foundation“ 27.000 Gesichtsschutze an 140 Krankenhäuser in verschiedene ägyptische Regionen liefern. Ashraf, ein Hausmeister in Downtown, bekommt von alldem nichts mit. Bei dem Stichwort Corona zuckt er mit den Schultern. "Er weiß es nicht", sagt er. Sein Sohn, Sherif, 10 Jahre alt, hat sich daran gewöhnt, dass er derzeit keine Schule hat und nicht mehr mit anderen Bewohnern im Aufzug fahren darf. Er hilft dem Vater bei der täglichen Arbeit im 100 Jahre alten Haus mit rund 90 Wohnungen. Die ägyptische Regierung hat einen Drei-Stufen-Plan griffbereit. Eine Prognose ist schwer. Die Ägypter nehmen es gelassen, aber das übliche „ma3lesh“ - mach Dir nichts draus - und das „inshaallah“ - wenn Gott will - kommt derzeit in puncto Corona manchmal doch ein bisschen zögerlicher.

„RSF - Reporters sans frontières (Reporter ohne Grenzen)“ stoßen an technische Grenzen

„Journalismus in der Krise: Ein ausschlaggebendes Jahrzehnt“ ist Titel der Online-Pressekonferenz über die weltweite Zukunft des Journalismus am 21.4.2020. An dem Tag, an dem die RSF ihre Rangliste für Pressefreiheit veröffentlichen. Plakativ mit einer Weltkarte, die die Länder von weiß, Pressefreiheit gegeben, bis schwarz, keine Pressefreiheit, markiert. Auch ohne die dazugehörigen Statistiken zu lesen ist erkennbar, dass diese Weltkarte ziemlich düster aussieht. Für die RSF Pressekonferenz sind JournalistInnen aus aller Welt eingeladen. 1.000 können sich registrieren. Ich bin eine davon. 17:45h – Ich bereite mich vor. Notizbuch, Stift, Handy auf Flugmodus und schon mal auf der Streaming-Plattform crowdcast.io einloggen. Registriert hatte ich mich bereits vor Tagen und war entsprechend aufgeregt. Kurzer Facebook Post und zwei Freundinnen auf WhatsApp informieren. Der Index für die Pressefreiheit wurde im Oktober 2010 erstmalig von RSF veröffentlicht. Der Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von Journalisten aus 180 Ländern wider, die per Fragebogen von RSF gesammelt werden. Platz 1 belegt aktuell Norwegen, Schlusslicht auf Platz 180 ist Nordkorea. China verweilt unverändert auf 177. Syrien bleibt aufgrund des Krieges auf Platz 174, Journalisten arbeiten dort unter Lebensgefahr. Verschlechtert haben sich Haiti und die Komoren. Deutschland konnte einige Plätze nach oben krabbeln, bleibt aber wegen Hetze und Drohungen gegen Journalisten nur auf Platz 11. 17:59h – Ich bin pünktlich wieder auf der Plattform und formuliere im Bereich „Ask a question“ meine Frage. Über die Perspektive des Journalismus im Mittleren und Nahen Osten und welche Einflussfaktoren es in dieser Region geben könne, beispielsweise Bildung, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Ob meine Frage den Referenten gestellt wird, ist abhängig davon, ob Konferenzteilnehmer für diese Frage ihre Stimme abgeben. 18:04h – Der Bildschirm zeigt „Video Streaming Preparing“. Ich trete, wie auch in meinem Blog, als Nika Kairo auf und sage im Chat „Hello from Cairo“. „Hallo aus...“ Texas, Tunesien, Indien, Paris, London, Brüssel, Deutschland, Mumbai, Brasilien, Chicago, Mexico, Taiwan, Kolumbien, Pakistan,New York, Kapstadt, Kashmir, Philippinen, Usbekistan, Ägypten, Riyad sind unter anderem die Antworten. Gefolgt von „Danke RSF für die Organisation“. Warten, dass es los geht. RSF hat namhafte Referenten für diese Konferenz eingeladen: Rana Ayyub, indische Journalistin und Autorin von „Gujarat Files: Anatomy of a cover up“, ein persönlicher Bericht über die Gujarat Unruhen in 2002. Heute ist sie Korrespondentin der Washington Post. Maria Ressa, philippinische Journalistin, ehemalige CNN Korrespondentin für Südostasien und CEO des Online-Nachrichtenmagazins Rappler mit Sitz in Jakarta, Indonesien. Joseph E. Stiglitz, ein amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften in 2001. Die meisten Teilnehmer aber warten nur auf den einen Referenten. 18:12h – Der Ticker zeigt an, dass die Live Übertragung seit einigen Minuten läuft. Leider kann niemand weder ein Bild sehen noch einen Ton hören. Ein Kommentar lautet: „This is really journalism in crisis“. Fragen wie „wird ein VPN für die Übertragung benötigt?“ oder „bin ich der oder die Einzige, die nichts sieht?“ häufen sich. Nervöse Unruhe. 18:20h – Rana Ayyub meldet sich im Chat. Es gäbe technische Probleme aufgrund der hohen Teilnehmerzahl. Die Konferenz wäre live, das Streaming würde weder auf Youtube noch die Konferenz auf crowdcast funktionieren, man arbeite daran. 18:24h – Enttäuschung macht sich breit, die ersten verlassen die Konferenz. Die Enttäuschung ist so groß weil man gehofft hatte, die Referenten live reden zu hören und per Chat zeitgleich mit den weiteren Teilnehmern untereinander zu diskutieren oder gar seine Frage adressiert zu wissen. Eben dabei zu sein. Insbesondere auf Edward Snowden als Referent waren alle gespannt. Snowdens Bezeichnung in Wikipedia lautet „NSA Whistleblower“. Er war IT Sicherheitsspezialist bei der CIA und soll heute in Moskau wohnen. Er ist Mitglied im „Board of Directors“ der „Freedom of Press Foundation“ und tritt vor allem in Online-Konferenzen auf. 18:49h - „Was ist mit unseren Fragen?“ Die Konferenz läuft, aber noch immer bekommen wir davon nichts mit. 18:50h – RSF-Team meldet sich erneut und entschuldigt sich. Es wären zu viele Teilnehmer in der Konferenz, man würde im Nachgang den Link zur Aufzeichnung senden. Ich gehe zum Gemüse schnippeln in die Küche. „Reporters sans frontières, RSF“ wurde im Jahr 1985 als Non-Profit-Organisation gegründet. Auf ihrer Facebookseite verzeichnen sie über 262.000 Follower aus aller Welt. Sie vertreten weltweit die Freiheit des informierens und des informiert werdens. Die deutsche Vertretung „Reporter ohne Grenzen“ wurde 1994 gegründet und hat ihren Sitz in Berlin. Recherchieren, anklagen und unterstützen sehen sie als ihre Aufgaben, um Verstöße gegen die Presse- und Informationsfreiheit aufzuzeigen, erklären sie auf ihrer Internetseite. Weltweit sind 150 Korrespondenten und Korrespondentinnen für RSF tätig; in ganz Europa, im Senegal, in Taiwan, Tunesien und den USA. Sie finanzieren sich über Spenden, Mitgliedsbeträge und den Verkauf ihres Fotobuchs. 19:04h – Noch einen Blick auf den unveränderten Bildschirm. Rebecca vom RSF Team diskutiert mit Chat Teilnehmern und gibt Tipps zu Fachliteratur. 19.07h – Ich traue mich zu fragen. @Rebecca: „Habt Ihr technische oder politische Probleme?“ Rückfrage: „Du meinst bezüglich des Broadcast?“ „Ja“. Ihre Antwort lautet: „So viel ich weiß ist es ein Problem der technischen Kapazität“. So viel sie weiß. Kein „selbstverständlich". Crowdcast.io wirbt auf seiner Internetseite für große Meetings mit tausenden von Teilnehmern. Selbst Teams von Microsoft soll eine Online-Meeting-Kapazität von bis zu 5.000 Teilnehmern haben. Die Konferenzkapazität war seitens RSF von vorneherein auf 1.000 Teilnehmer begrenzt. Die registrierten Journalisten befanden sich in unterschiedlichen Zeitzonen mit unterschiedlichen Internetauslastungen. 19:43h – RSF Team verkündet im Chat das Ende der Konferenz. Der Link zum Replay, der Aufzeichnung, würde uns per E-Mail zugehen. 22.22h – Bislang keine E-Mail und keine Aufzeichnung verfügbar. Und selbst wenn. Es wird sich anders anfühlen, als ein Teilnehmer einer Konferenz mit Edward Snowden und den anderen erfahrenen Referenten zu sein. Dabei zu sein, wenn live über die Zukunft des Journalismus diskutiert wird. Ja, das wäre was gewesen.

Ma3lesh* Ägypten: Kairo kann Corona, aber Regen ist schwierig

Das ZDF Morgenmagazin hat heute berichtet, wie Ägypten sich gegen das Corona Virus wappnet: In der dicht gedrängten Millionenmetropole Kairo tragen einige Masken, andere überlassen das Thema dem Herrgott, und andere schützen sich traditionell wie vor einer Erkältung. Mit Salbei und ähnlichen Kräutern und Lakritzwasser, das die Abwehr stärken soll. Mag schon sein. Das ist aber nicht das Thema, das heute in Kairo interessiert. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt. Apropos Schule. Am 11. März 2020 verkündete der ägyptische Ministerpräsident Mostafa Madbouli, unter anderem auf der offiziellen Regierungsseite im Internet, dass am Donnerstag, den 12. März 2020, landesweit alle Schulen und Universitäten geschlossen seien. Hintergrund ist eine Unwetterwarnung für das kommende Wochenende, die Gewitter, starken Regen sowie Sturm vorhersagt. Es ist die dritte Regen bedingte Schulschließung in diesem Schuljahr. In London oder Kiel mag man darüber schmunzeln. Für Kairo ist das eine kluge Entscheidung. Mangels Abflussmöglichkeiten staut sich sämtlicher Regen in den Straßen. Unebenheiten, wie man die Schlaglöcher liebevoll nennen könnte, sind regennass nicht erkennbar, und die Straßennutzung wird für alle Beteiligten gefährlich. Größere Strassen werden regelrecht überflutet. Schulbusse, die aus der Innenstadt die Schüler*innen in die Außenbezirke bringen, brauchten anstatt der üblichen 1-2 Stunden an den Regentagen im Oktober und Februar 4-5 Stunden. Im Oktober kamen durch den Regen 11 Menschen, davon vier Kinder, ums Leben. Durch vermehrte Autounfälle und durch lose Stromkabel, die mit dem Wasser in Berührung kamen, so „The Associated Press“. Die Schließung der Schulen wurde offiziell bestätigt. Ansonsten sind Nachrichten, die sich zu bestehenden oder bevorstehenden Krisen verbreiten, auf Vertrauenswürdigkeit zu hinterfragen. Im Zweifel ist die eigene Erfahrung in Kairo die beste Quelle. Für Donnerstag hatte der Wetterdienst 9 Stunden Regen angekündigt. Es verbreiteten sich Gerüchte, dass alles geschlossen bliebe und man nichts einkaufen könne. Tatsächlich rief auch der Zahnarzt an, um den Donnerstagtermin zu verschieben. Und Drinkies, der Alkoholbringdienst, versendete SMS an Kunden, man möge doch Mittwoch noch bestellen, Donnerstag sei zu. In der Nacht musste es geregnet haben. Die nassen Straßen waren in Downtown Kairo morgens um halb acht leer. Das sind sie bis auf einige Taxen und Schulbusse aber um die Zeit meistens. Bei einem Spaziergang durch die Straßen nieselte es leicht und war sehr windig. Downtown bereitete sich auf den Tag vor. Aus den Backstuben roch es nach frischem Brot, die ersten Händler spannten Sonnenschirme auf gegen den angekündigten Regen, die Patisserie Al Abd bekam Lieferungen. Es war kalt und ungemütlich. Man grüßt und nickt sich kurz zu mit denen, die auch draußen sind. Nicht selten mit einem verschmitzten Lächeln das sagen will „Na, was machst Du denn bei diesem Wetter hier?“. Kurz nach neun waren der Brotverkäufer, der Kiosk und das Shisha Cafe dann geöffnet. Mit dem Wasser auf der Straße macht man das, was man sonst mit Staub und Müll macht: Mit einem Reisigbesen zur Seite fegen. Denn weder mit dem einen, noch mit dem anderen weiß man wirklich wohin. Seit zehn Uhr dann immer wieder Gewitter und heftige Regenfälle. Das Treppenhaus und der Innenhof mit den Fahrrädern steht seit Mittag unter Wasser, Stromausfall ab eins. Das ist ärgerlich. Kein Strom bedeutet nicht nur kein Licht, sondern auch kein Wasserkocher, kein WLAN. Im Hausflur ist Licht. Der Hausmeister Mohamed versucht, den verstopften Abfluss im Innenhof zu reinigen und ist ungehalten. „Dann gibt es jetzt eben keinen Strom“ oder ähnliches brabbelt er in wenig verständlichem arabisch. Ayman, der Kioskmann im gleichen Haus erklärt hilfsbereit, das Haus hätte zwei Stromversorgungen. Da könne schon mal eine ausfallen. Als der Nachbar telefonisch nicht zu erreichen ist, gibt es nur ein „Ma3lesh*, kolo naumi“, alles schläft. Ein Ma3lesh* ist auch die Antwort des Hausmeisters Ashraf auf die Frage, wann denn der Strom wiederkäme. „Bald“. Viele Straßen in Downtown stehen inzwischen unter Wasser, es ist wenig Verkehr, aus der Ferne hört man immer noch Donnergrollen. Der „Mahwar“, die Zubringerstraße aus dem 6.-Oktober-Stadtteil nach Kairo, soll gesperrt sein. Kolleginnen berichten, Straßen seien wegen des vielen Matschs nicht nutzbar. Matsch entsteht nicht nur durch Sand auf den Straßen, sondern Sand von den Bäumen und Häusern und aus der Luft. Der Regen nimmt alles mit. Soeben verkündet der Krisenobmann per WhatsApp einen Zusammenstoß zweier Züge in Imbaba, Giza. Der Zugverkehr in ganz Ägypten sei eingestellt. Die Ägypter nehmen alles gelassen. Man schläft und wartet wenn möglich in aller Ruhe den Regen ab. Die Sonne wird die Straßen trocknen und die Ägypter werden alles putzen - Straßen, Autos, Läden und Fenster. Man wird weiter Lakritzwasser trinken und beten. Sollte es stimmen, dass ein Virus Wärme nicht mag, dann wird in den nächsten frühlingswarmen Tagen, die so zwischen 25 und 30 Grad versprechen, der ganz normale Alltag nach Ägypten zurückkehren. Dann braucht das ZDF ein neues Thema. Ma3lesh* ZDF. *Ma3lesh = ägyptisch | mach dir nichts draus

Fernstudium Journalismus erfolgreich absolviert

© 2020 Monika Bremer