Best of "Adventskalender 2018": Mayla

Türchen 5:
Mayla heißt Hoffnung Es wird früh dunkel, auch in Kairo, und das Wetter ist ungemütlich geworden. Trotz Advent keine schöne Zeit für die unzähligen Strassenkatzen- und hunde in Kairo. Glück hat, wer in Dokki oder Mohandessin wohnt.
Allabendlich, so gegen sechs, halb sieben, ist an der Ecke des Autohauses eine britische Dame im Rentenalter anzutreffen. Sie füllt tagtäglich kleine Styroporschälchen mit Katzenfutter und Aluminiumschälchen mit Wasser. Für viele streunende Katzen in der Umgebung oft die einzige Nahrungsquelle abseits der Müllhaufen.
Sie bediene tagtäglich mehrere Plätze in Dokki und Mohandessin, erzählt sie bescheiden. Das Katzenfutter kaufe sie im Pet Planet, dort gibt es das lose als Kiloware. Im Supermarkt kostet Katzenfutter, 300g, um die 25 Pfund. Dafür gibt es im Pet Planet schon fast ein Kilo und sie könne es nach Belieben mit verschiedenen Sorten mischen.
Diese britische Dame ist eine von Etlichen, die sich um streunende Tiere kümmern. Seit Jahren wird immer wieder über Einzelbeispiele berichtet. Oft sind es ausländische Frauen, die sich um die heimatlosen Tiere sorgen. Für in westlicher Kultur aufgewachsene Menschen haben Tiere oft einen anderen Stellenwert, als für Ägypter. Tiere werden hier zumeist als Nutztiere oder Nahrung angesehen.
Das Nachrichtenmagazin Egypt Today berichtet von einer in 2017 neu angesetzten Armutsgrenze, die bei einem Einkommen von ca 800 EGP liegt, das sind knapp 40 Euro. Weiterhin wird geschätzt, dass davon 35% aller Ägypter betroffen sind.
Vor diesem Hintergrund ist diese Haltung gegenüber Tieren verständlich, wenn auch oft fremd. Ebenso, dass für Versorgung von herrenlosen Tieren kein Geld zur Verfügung steht. Auch für die vor einigen Jahren ins Leben gerufene Organisationen, die sich wie ESMA beispielsweise um Strassenkatzen kümmern, wird die Teuerungsrate und die mageren Spenden zum täglichen Überlebenskampf.
So kommt es vor, dass Hunde und Katzen vergiftet oder erschossen werden, oft auch geschlagen und getreten. Sie gehören zum Strassenbild und sind vielen lästig.
In den letzten Wochen wurden in verschiedenen ägyptischen Medien berichtet, dass Ägypten herrenlose Hunde und Katzen zum Verzehr an entsprechende Länder exportiere. Ob dieses nur ein Gerücht oder eine Tatsache ist, kann schlecht beurteilt werden. Das Magazin Cairo Scene berichtete jedenfalls, dass der Sheikh der Al Azhar Universität, quasi die höchste religiöse Stelle, erklärt habe, dass der Verzehr von Hunden und Katzen "halal" sei, also laut Koran erlaubt. Manch kleines Strassenkätzchen hat Glück und findet ein neues Zuhause. So auch Mayla. Ihre Katzenmama ist eine von den Strassenkatzen beim Autohaus, sie hat noch drei weitere Junge.
Mayla hat sich in ihrem neuen Zuhause schnell eingewöhnt. Das ist bei Strassenkatzen nicht immer selbstverständlich. Mayla jedoch spielt und frisst den ganzen Tag bevor sie vor Erschöpfung auf dem Kopfkissen ihrer neuen Menschenmama einschläft.
Der Name Mayla ist im finnischen die Abkürzung für Maria oder Magdalena.
Im arabischen steht der Name Mayla für Hoffnung.

© 2020 Monika Bremer