Umm El Dummia: Was nicht passt, wird passend gemacht

Ägypten bezeichnet sich gerne als Umm El Dunia, Mutter der Welt, und übersieht dabei gerne, dass es bevölkerungstechnisch aus allen Nähten platzt, bildungstechnisch Defizite aufweist aber eine Analphabetenquote von zirka 40%. Gelernt wird wenn vor allem eins: Auswendig. Und zwar das, was der Staat als erlernenswürdig ansieht. Da wird schon mal die 25. Januar Revolution aus den Geschichtsbüchern gestrichen und unliebsame Seiten, beispielsweise über Homosexualität, in den Biobüchern der internationalen Schulen zugeklebt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Traditionen werden fortgeführt. Hinterfragen unerwünscht. So trifft sich eine Gruppe junger Leute zu einem Geburtstag, den es so eigentlich nicht gibt. Ahmad wird 29. Aber nicht am 14. Juli wie es in seinem Pass steht, sondern bereits am 13.. Leider ist am 13. damals auch seine Großmutter gestorben. Daher empfand die Familie den 13. Juli unpassend und ließ in den Ausweis den 14. eintragen. Damit ist er kein Einzelfall. Angetrieben durch das alltägliche ma3lesch, ist doch egal, oder eine gewisse Portion Faulheit. Auch Neid ist eine gerngesehene Motivation für Irrsinn. „Vorsicht, Ihr sprecht über mich", brabbelt Bahaa und wühlt eilig in seinem Handy. Söhne zu haben, darauf ist eine Familie stolz. Was aber, wenn die Schwester und die Nachbarn nur Töchter haben? Die Lösung zeigt dann grinsend Bahaa: Ein Kinderfoto, auf dem er in etwa ein Jahr alt ist - und in Mädchenkleidern. Was nicht passt, auch wenn es nur der Neid der Nachbarn wäre, wird passend gemacht.

© 2020 Monika Bremer