• @Nika

Die Welt greift zur Tinte - warum? #Inktober2018

Aktualisiert: Juli 4

Ich versuche es mit einem Bleistift. Gerade, parallele Linien. Zeichnen für Anfänger nach einem Youtube Tutorial. Zu den gegebenen Themen wie „Huhn“, „Uhr“ oder „geschwollen“ will mir grafisch nichts einfallen. Und wenn ich meine nicht so geraden nicht so parallelen Linien mit dem vergleiche, was ich in Facebook, Instagram und auf Pinterest unter dem Hashtag #Inktober finde, dann erinnere ich mich wieder, dass ich in Kunst nicht so begabt war und erfinde den Hashtag #inKunstgepennt. Andere können es besser.

Andere sind täglich tausende von Menschen, die beispielsweise in Instagram unter dem Hashtag #Inktober2018 4,9 Millionen Zeichnungen weltweit gespostet haben.

Was ist dieses #Inktober?

#Inktober findet jährlich im Oktober statt. Der amerikanische Illustrator Jake Parker erfand 2009 das Projekt, um Künstler zu motivieren, täglich zu zeichnen. Die „Prompt List“ gibt das jeweilige Tagesthema an, gezeichnet werden sollte mit Tinte (engl. ink). Die Ergebnisse können unter dem Hashtag #Inktober in den Sozialen Medien gepostet und gefunden werden.

Klingt nach einem gigantischen Kunstprojekt. Doch die offizielle Internetseite, als auch die FAQ, muten sehr kommerziell an: Produktwerbungen für Stifte, Zeichenmaterial und Werbung für Workshops. Jake Parker sieht heute sein Projekt so: Er bestätigt, dass für ihn #Inktober heute hauptsächlich eine Plattform sei, um seine Produkte, Partner und Workshops zu vermarkten. Allerdings zeichne er trotzdem jeden Tag mit, weil er Freude daran habe. Für den Inktober-Gründer ist es Business.

In der Facebook Gruppe #Inktober2018, die knapp 49.000 Mitglieder umfasst, fällt auf, dass sich unter den Beteiligten viele professionelle Grafiker und Illustratoren tummeln. Die Beweggründe für die Teilnahme sind vielfältig. Für Grafiker Michael Roberts ist es eine Pause vom Alltag und ein wenig therapeutisch. Tom Kilbane mag es, sich auf ein Wort zu konzentrieren und es grafisch umzusetzen, für Anssi Käskiväli aus Finnland ist es lediglich Spass. Etliche arbeiten als Grafiker tagtäglich am Computer und mögen es, wieder auf Papier zu zeichnen, anderen gefällt die Kontinuität und erstellen ein komplettes #Inktober-Sketchbook. Wieder andere schmeicheln ihrem eigenen Ego, indem sie viele „gefällt mir“ ergattern.

„Inktober“ findet aber nicht nur in den Sozialen Medien, sondern auch vor Ort statt. In Kairo bietet die Cairopolitan Galerie im Oktober täglich Zeichenworkshops mit namhaften ägyptischen Grafikern wie Doaa ElAdl, Ayman Zokrany oder Mohamed Fathy (Shank). Ahmed Hefnawy, Inhaber von Cairopolitan sagt zu seiner Motivation: Wir sehen die Workshops weniger als Business, sondern möchten einen Treffpunkt für Illustratoren und Grafiker schaffen.

Kunst oder Kommerz – die Motivationen sind vielfältig. Die Resonanz ist mit zig Millionen Zeichnungen aus aller Welt gewaltig, und die Sozialen Medien sind für dieses Projekt eine geeignete Plattform für die Veröffentlichung und zum networken unter Gleichgesinnten.

(c) Cairopolitan

© 2020 Monika Bremer